Ferdinand will sicher Radfahren können

Gemeinsam mit Changing Cities verklagt Ferdinand den Senat

Die Sicherheit für Radfahrende ist in der Leipziger Straße nicht gewährleistet. Wir trafen Ferdinand zu einem Gespräch über seine Beweggründe.

CC: Du klagst gemeinsam mit Changing Cities für sichere Radwege. Was wird in Deinem Fall überhaupt eingeklagt bzw. beantragt?

F: Ein Radweg – oder zwei – also auf beiden Seiten der Leipziger Straße. Die ist ja ungefähr 60 Meter breit, und es gibt genau keinen Radweg. Da sind zwei Autospuren, eine Busspur und eine Parkspur – und das doppelt, also acht Spuren. Ich sehe das so ein bisschen als meine Aufgabe als Angehöriger der jüngeren Generation, sich sozusagen mit dem eigenen Gesicht für Reformen einzusetzen. Das wäre ein bisschen inkonsequent, wenn ich das nicht machen würde. Die autogerechte Stadt ist nicht menschengerecht.

Ich habe das Privileg, hier in Berlin-Mitte zu wohnen, und die Klage ist für mich eine Form, dieses Privileg auszuüben. Dass es überhaupt so weit kommen muss, ist natürlich vollkommen lächerlich, aber wenn es anders nicht funktioniert, müssen wir halt den Staat verklagen.

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CC: Man kann ja gar nicht so einfach Radwege einklagen. Was ist die Begründung für die Klage oder den Antrag auf einen Radweg in der Leipziger Straße?

F: Im Endeffekt geht es darum, dass die Leipziger Straße komplett auf dem Altar des Automobilkults geopfert wurde. Wenn man da mit dem Fahrrad langfahren will, ist das einfach gefährlich. Als Fahrradfahrer bleibt einem nichts anderes übrig, als auf der Busspur zu fahren. Und dort wird man vor allem von wirklich rücksichtslosen Fahrdiensten, also Taxis und Uber und sonst was, quasi getackelt und weggehupt. Busse sind da weniger schlimm. Es wurde nun ein Blitzer installiert, und das hilft tatsächlich. Das ist zwar nur punktuelle Symptombehandlung des strukturellen Problems, aber trotzdem wirksam. Ich glaube, es gab Tramplanungen, die kurz vor der Ausführung standen, wo auch der Fahrradweg mit drin gewesen wäre. Dann haben wir mitbekommen, dass die Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr die Planung abgesägt hat. Das sind Millionen von Planungskosten, die einfach in den Sand gesetzt wurden.

Ferdinand Rinke klagt für den Bau von Radwegen an der Leipziger Strasse
Ferdinand Rinke klagt für den Bau von Radwegen an der Leipziger Strasse

CC: Wie sieht Deine Alltagsmobilität aus?

F: Also, ich wohne hier zwischen der U2 und der U6, was sehr praktisch ist. Es gibt sehr schlechte Fahrradparkplätze vor meinem Haus, und dann wurden mir irgendwann zweimal die Räder geklaut, also die Vorder- und Hinterräder. Seitdem habe ich mich für ein Klapprad entschieden, das den Vorteil hat, dass ich das hier in meiner Wohnung haben kann, das passt in den Aufzug, das darf ich in den U-Bahnen mitnehmen und so weiter. Es gibt schon einige Achsen, auf denen man sich gut mit dem Fahrrad in Mitte bewegen kann, aber es bleibt immer die große Barriere Leipziger Straße. Sie ist halt de facto eine Autobahn. Es gibt zwar Übergänge, aber die sind relativ weit auseinander, ich glaub fast 200 Meter, und es gibt eine Unterführung. Aber wir leben ja nicht in der Stadt, damit wir dann in Tunneln herumkriechen…

CC: Du hast gesagt, dass es relativ gute Nebenstraßen gibt, wo man gut Fahrrad fahren kann. Wozu muss man dann auf einer Hauptverkehrsstraße wie der Leipziger Straße überhaupt Fahrrad fahren? Die ist ja vor allem für den Autoverkehr gemacht.

F: Es ist einfach nötig, diese uneingeschränkte Raserei zu verhindern. Innerhalb der letzten drei Jahre sind Leute auf der Leipziger Straße einfach totgefahren worden. Das letzte Beispiel waren ein Kind und seine Mutter, die von einem 80-Jährigen totgefahren wurden, der auf der Fahrradspur überholt hat mit 90 km/h. Warum sollten Fahrradfahrer nicht auch die Hauptverkehrsachsen nutzen dürfen? Das ist doch Quatsch. Also, im Endeffekt ist der Verkehrsraum ein öffentlicher Raum, den sich alle teilen müssen. Und wenn wir jetzt sagen, Hauptstraßen sind ausnahmslos dem motorisierten Individualverkehr vorbehalten, dann sind wir nicht alle gleich vor dem Gesetz.

CC: Was würde es für dich bedeuten, wenn die Leipziger Straße einen geschützten Radweg hätte?

F: Dass ich mich erstmal ein bisschen sicherer fühle. Also, was heißt ein bisschen? Ich würde mich sehr viel sicherer fühlen. Das löst Konflikte. Wenn jetzt Leute sich beschweren, weil man auf dem Bürgersteig fährt und sagen, man soll sich gefälligst auf der Straße überfahren lassen, das sehe ich nicht ein. Also, das Recht des Stärkeren wird so durchgesetzt. Und ich habe keine Lust, mich an der Stärke von Karosserien zu messen. Die Frage sollte ich mir nicht stellen müssen, wenn ich einfach von A nach B kommen will. 

CC: Es gibt ja tausende Probleme auf dieser Welt, warum interessierst du dich ausgerechnet für Radwege?

F: Also, das grundlegende Problem von Deutschland, warum wir immer, auch im europäischen Kontext, hinter allen Reformen hinterher dackeln, ist, weil wir Angst vor Veränderung haben. Und nur weil es woanders Probleme gibt, heißt es nicht, dass es im Straßenverkehr nicht auch Probleme gibt. Das ist ein Nicht-Argument.

CC: Vielen Dank für Deine Zeit.

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