An drei der 20 gefährlichsten Straßen in Berlin soll laut Senatsverwaltung in Zukunft schneller gefahren werden. In der Friedrichstraße, der Hermannstraße und am Tempelhofer Damm, die laut einer Studie des Versicherers Allianz Direct zu den gefährlichsten Berliner Straßen gehören, hebt Senatorin Bonde (CDU) an einigen Abschnitten Tempo 30 wieder auf. Changing Cities hält dagegen: Wenn Frau Bonde eine Begründung für Tempo 30 fehlt, dann wäre die Verkehrssicherheit sehr glaubwürdig.
2023 beendete die damalige Verkehrssenatorin Schreiner (CDU) den Verkehrsversuch in der Friedrichstraße und ließ den Autoverkehr dort wieder zu. Die Folge war laut der Studie von Allianz Direct: Die Friedrichstraße wurde 2024 die gefährlichste Straße in Berlin. 2025 legt Frau Schreiners Nachfolgerin Ute Bonde (CDU) nach und beendet sogar Tempo 30 zwischen Unter den Linden und Dorotheenstraße. Ihre Begründung: In Ortschaften ist laut der Straßenverkehrsordnung (StVO) Tempo 50 die Regelgeschwindigkeit.
„Die Verkehrssicherheitspolitik dieses Senats ist an Ignoranz kaum zu übertreffen. Selbst an den gefährlichsten Straßen soll zukünftig schneller gefahren werden. Es fehlt offensichtlich nicht nur die Kompetenz, sondern entgegen der eigenen Ansagen auch der politische Wille, die Hauptstadt sicherer zu machen. 32 Menschen sind bisher dieses Jahr auf Berliner Straßen getötet worden, etwa drei Personen im Monat. Das Einzige, das diese Verwaltung in Sachen Verkehrssicherheit bisher vorgeschlagen hat, sind neongelbe Regenschirme und Verkehrsyoga”, kommentiert Ragnhild Sørensen von Changing Cities.
Sogar The Guardian titelte gestern „The car belongs to Berlin” und staunt über die rückwärtsgewandte Verkehrspolitik in Berlin.
Dass Tempo 30 Straßen sicherer macht und Menschenleben rettet, ist verkehrswissenschaftlich absolut unstrittig. So untersuchte die peer-reviewed Metastudie von Yannis und Michelaraki 2024 den Effekt von Tempo 30 auf Verkehrssicherheit in 18 europäischen Großstädten. Das Ergebnis zeigte: Es gab im Durchschnitt 23 Prozent weniger Unfälle, 37 Prozent weniger Tote und 38 Prozent weniger Verletzte, nachdem Tempo 30 eingeführt wurde.
Weiterführende Links:
Studie der Allianz Direct „Verkehrsunfallstatistik in Deutschland: So sicher sind unsere Straßen“
Artikel in The Guardian vom 13. November
Yannis, G. und Michelaraki, E. (2024): Review of City-Wide 30 km/h Speed Limit Benefits in Europe. Sustainability 2024, 16, 4382