Hat Berlin eine weitere Autobahn? Senat lehnt geschützte Radwege in der Kaiser-Friedrich-Straße ab

Berlin, 23. September 2025 – Die Kaiser-Friedrich-Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf (zwischen Konstanzer Str. und Otto-Suhr-Allee) sei laut Senatsverkehrsverwaltung für den Autoverkehr so bedeutend, dass keine Flächen für den Radverkehr umgewidmet werden könnten. Betroffene haben mit Unterstützung von Changing Cities dort Radwege beantragt und jetzt nach 18 Monaten liegt eine Ablehnung des Senats vor.

Nicht nur lehnt der Senat Radwege dort ab, er hat auch beschlossen, dass auf einer Teilstrecke von der Kantstraße bis Otto-Suhr-Allee tagsüber wieder Tempo 50 gelten soll. Rund 2200 Fahrzeuge pro Stunde befahren laut der Senatsverwaltung die Kaiser-Friedrich-Straße und – das allerdings lässt die Senatsverwaltung unerwähnt – machen die Hauptverkehrsstraße zu einem wirklich gefährlichen Pflaster für Radfahrende. Die Straße diene als Ausweichroute für Unfälle auf der A100, argumentiert die Senatsverwaltung und müsse deswegen „freigehalten“ werden. Ein sicherer Radweg stört die Senatsverwaltung – die dort jetzt parkenden Autos jedoch nicht. 

Statt sichere Infrastruktur für Radfahrende in der Stadt zu schaffen, „reserviert“ der Senat Flächen für ein mögliches Stau- oder Unfallgeschehen auf der Autobahn. 

Damit nicht genug. SenMVKU räumt selbst parkenden Autos mehr Gewicht ein als Menschen, die mit dem Rad unterwegs sind: Der verbliebene Seitenstreifen müsse für ruhenden Verkehr genutzt werden. SenMVKU argumentiert sogar damit, dass Autofahrende ansonsten ordnungswidrig auf Gehwegen parken würden, was ja Fußgänger*innen behindern würde. Völlig ignoriert wird dabei, dass die Verwaltung alle Instrumente in der Hand hat, um genau das zu verhindern. Ordnungswidriges Parken kann sanktioniert und der öffentliche Raum so gestaltet werden, dass ein Parken auf dem Gehweg oder an Überwegen praktisch unmöglich wird.

„Dass hier die Gefahr von Autofahrenden, die sich nicht an Recht und Gesetz halten und ordnungswidrig parken, als Argument gegen sichere Radinfrastruktur angeführt wird, ist schon skurril,“ so Paul Jäde, LegalTeam von Changing Cities. „Wenn die Verwaltung sich selbst so handlungsunfähig sieht, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, dass in Berlin dem „Recht des Stärkeren“ zunehmend kein Einhalt mehr geboten wird.“

Die Argumentation gipfelt in einer zynischen Schlussfolgerung: Weniger Platz für den Autoverkehr würde nicht etwa die gewünschte Verkehrswende voranbringen, sondern angeblich mehr Lärm, Abgase und Konflikte erzeugen.

Betroffene – darunter auch ein 12-jähriges Schulkind – hatten im Februar 2024 unterstützt von Changing Cities geschützte Radwege für die Kaiser-Friedrich-Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf beantragt. Konkret ging es um die Abschnitte

  • Brandenburgische Straße (zwischen Konstanzer Straße und Kurfürstendamm),
  • Lewishamstraße (zwischen Kurfürstendamm und Stuttgarter Platz) sowie
  • Kaiser-Friedrich-Straße (zwischen Stuttgarter Platz und Otto-Suhr-Allee),
    jeweils in beiden Richtungen.

Im Juli 2024 musste Changing Cities den Berliner Senat mit einer Untätigkeitsklage zu einer Stellungnahme zwingen. Nun liegt die Antwort der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) vor – mit ernüchterndem Ergebnis für alle, die sich sichere Mobilität auf dem Rad wünschen. Der Senat sieht auch hier keine Notwendigkeit einer sicheren Radinfrastruktur.

„Die Ablehnung von sicheren Radwegen in der Kaiser-Friedrich-Straße ist ein weiterer Rückschritt für Berlin. Wie soll Berlin jemals lebenswert werden, wenn überall dem Kfz-Verkehr Vorrang eingeräumt wird? Dieser Senat hat versprochen, die Stadt zum Funktionieren zu bringen – bekommen haben wir Chaos und Unsicherheit. Das Urteil der Bürger*innen folgt im Herbst 2026!”, kommentiert Ragnhild Sørensen von Changing Cities.

Für die Betroffenen und Changing Cities heißt dies: Dran bleiben! Changing Cities unterstützt die Antragstellenden dabei, jetzt Widerspruch gegen den Bescheid einzureichen und geht auch mit diesem Verfahren bis vor die Gerichte, wenn nötig.

Weiterführende Links:
Anonymisierte Antwort der Senatsverwaltung