Senatorin Bonde: „Fahren Sie bitte Rad auf dem Fußweg“

Auf eine parlamentarische Anfrage antwortet die Verkehrsenatsverwaltung (SenMVKU), dass der Radverkehr Unter den Eichen in Steglitz zukünftig auf dem Fußweg geführt werden soll, damit der Kfz-Verkehr (wieder) zwei Fahrspuren bekommt. Die Anweisung kommt direkt von der Hausleitung, also Senatorin Bonde (CDU). Der Hochbordradweg wurde bereits 2022 von der Senatsverwaltung wegen zu vieler Wurzeln als unbenutzbar eingestuft, und ein Radstreifen auf der Fahrbahn von derselben Senatsverwaltung deswegen angelegt.

Potenzielle Konflikte zwischen Fußgänger*innen und Radfahrenden werden wortwörtlich „als weniger relevant eingestuft als der tägliche Stau für Kfz und Busse im Linienverkehr auf einer Bundesstraße mit überregionaler Verbindungsfunktion“. Die Aussage erstaunt um so mehr, als die novellierte Straßenverkehrsordnung extra betont, dass Verkehrssicherheit das oberste Ziel ist – auch vor der Flüssigkeit des Verkehrs. Die Senatsverwaltung behauptet, die Straße hätte überregionale Verbindungsfunktion, also wie eine Landstraße zwischen zwei Dörfern. Ein Blick auf die Stadtkarte verrät: Der Botanische Garten und der betroffene Straßenzug Unter den Eichen liegen innerhalb von Berlin.

Die Verkehrsverwaltung ergänzt noch: „Es werden angesichts der bei der Teilnahme am Straßenverkehr erforderlichen ständigen Vorsicht und gegenseitigen Rücksicht keine Konflikte [zwischen Fuß und Rad] erwartet“. Die Deutsche Verkehrswacht schreibt diesbezüglich in einer Pressemitteilung vom 21. Juni 2025: „So soll es bei Infrastruktur möglichst keine gemeinsamen Geh- und Radwege mehr geben. Durch die gleichzeitige Nutzung durch Gehende und Radfahrende besteht ein erhebliches Konfliktpotential und die Unfallgefahr steigt. Stattdessen sollten die Verkehrsträger konsequent getrennt werden und beide ausreichend dimensionierte Flächen erhalten.“ Mit dem Vorschlag „Radfahren auf Gehwegen“ steht die Senatsverwaltung komplett isoliert da und führt auch keine empirischen Belege an, dass bei gemeinsamen Geh- und Radwegen „keine Konflikte“ zu erwarten sind.

„Drei Viertel aller Wege werden in Berlin nicht mit dem Auto zurückgelegt: 75 Prozent. Trotzdem baut die Senatsverwaltung Radwege ab und verdoppelt den Raum für den Kfz-Verkehr Unter den Eichen. Man kann wahrscheinlich die Fußgänger*innen an einer Hand abzählen, die vom „Radfahren auf Fußwegen”-Vorschlag der Senatorin begeistert sind und deswegen die CDU bei der Herbstwahl wählen. Mit diesem Vorschlag verprellt sie endgültig die Berliner*innen“, sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities.

Weiterführende Links:
Parlamentarische Anfrage „Radwege-Stopp 20: Rückbau des sicheren Radwegs Unter den Eichen in Steglitz“
Pressemitteilung der Deutschen Verkehrswacht vom 21.06.2025