Schulstraßen boomen in Deutschland

So viele Schulstraßen wie in diesem Jahr gab es noch nie: NRW geht nach einem Erlass aus 2024 auf die 50 zu, Schleswig-Holstein fördert seit Anfang 2025 die Umsetzung von Schulstraßen, Baden-Württemberg hat den Kommunen die Einrichtung von Schulstraßen enorm erleichtert und das niedersächsische Verkehrsministerium veröffentlichte im April 2025 ein Rundschreiben, das zu Schulstraßen in Braunschweig, Hannover und Lüneburg geführt hat. Changing Cities führt seit 2022 die Kampagne für Schulstraßen an – und die bundesweiten Ergebnisse können sich sehen lassen!

Deutschland kann Schulstraßen – weil allmählich allen klar wird, dass unsere Kinder sicher unterwegs sein sollten. 13,9 Prozent der Bevölkerung sind unter 14 Jahren (2024) – eine klare Minderheit, aber eine Minderheit, die uns allen am Herzen liegt. Diese Menschen haben keinen Führerschein und können nur indirekt die Autoinfrastruktur nutzen, sie sind vor allem auf gute Fuß- und Radwege angewiesen. Vor allem bestätigen alle neueren Untersuchungen, dass eigenständige, aktive Mobilität Kinder gesünder aufwachsen lässt. 

Eine autofreie Schulstraße – temporär oder noch besser permanent – vor einer Bildungseinrichtung löst natürlich nicht das Problem der sicheren Schulwege auf einem Mal. Aber sie setzt an einem entscheidenden Punkt an: Dort, wo sich morgens die Elterntaxis stapeln. Und sie ist ein klares Signal: Uns ist die Sicherheit der Kinder wichtig. Oft sind die Kommunen überfordert von der Aufgabe, sichere Schulwege zu schaffen und wissen kaum, wo am besten anfangen. Die Schulstraßenkampagne von Changing Cities und dem Kidical Mass-Bündnis setzt genau dort an und erhöht den Druck auf Politiker*innen und Verwaltung, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Denn sichere Straßen für Kinder heißt sichere Straßen überall und für alle. Das ist ein Riesenprojekt, das Jahrzehnte braucht, um realisiert zu werden. Eine Schulstraße ist ein guter Anfang. 

Der Herbst ist die Zeit der Kindermobilität, vor allem der Schulanfang setzt das Thema ganz oben auf die Agenda der Eltern. „In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Familien und der Kinder zurückgegangen, so dass sie heute keine wichtige politische Zielgruppe mehr darstellen. Familien sind viel diverser als früher und viele von ihnen haben kein Wahlrecht. Für alle gilt: Sie haben wenig Zeit für politisches Engagement. Deswegen sind gezielte Kampagnen wie die für Schulstraßen so wichtig“, kommentiert Ragnhild Sørensen von Changing Cities. 

Auch die StvO-Novelle, die im Oktober 2024 in Kraft getreten ist, zeigt Wirkung: Es ist für die Kommunen tatsächlich leichter geworden, Verkehrsberuhigung anzuordnen – sei es Tempo 30, Flächen für den Fuß- und Radverkehr oder Verkehrsversuche wie Superblocks oder Schulstraßen. Am wichtigsten ist dabei, dass die Behörden den Kfz-Verkehr nun auch aus Gründen der Gesundheit, des Klima- und Umweltschutzes sowie zur Unterstützung der städtebaulichen Entwicklung einschränken dürfen – und nicht mehr warten müssen, bis sie nachweisen können, dass Menschen zu Schaden kommen.

Die Schulstraßenbewegung hat Fahrt aufgenommen, aber es gibt noch viel zu tun, bis alle Kinder selbst und sicher zur Schule gehen können. In Bad Endorf, Berlin, Freiburg, Hamburg, Jena, Köln, Laatzen, Leipzig und Werne demonstrieren Eltern und Kinder im September und Oktober für mehr Schulstraßen. 

Weiterführende Links:
Der Schulstraßen-Leitfaden
Informationen zur Schulstraßenkampagne