„Mr. Friedrichstraße“ Stefan Lehmkühler ist tot

Stefan Lehmkühler ist im Alter von nur 61 Jahren gestorben. Changing Cities trauert um einen Aktivisten und Freund, der sich leidenschaftlich und mit viel Humor für die Verkehrswende in Berlin eingesetzt hat.

Niemand konnte so schnell reden wie Stefan Lehmkühler. Als er 2015 das Ziel benannte, die Friedrichstraße autofrei zu machen, schmunzelten selbst seine Mitstreiter*innen. Aber es war typisch für Stefan: Lösungen finden, Vorschläge machen und reden, reden, reden. Als Ingenieur konnte er seine Visionen mit Zahlen, Berechnungen und Darstellungen hinterlegen – er brachte immer konstruktive Alternativvorschläge für die Umgestaltung des öffentlichen Raumes in die Debatte. So hatte er einen Entwurf für die Leipziger Straße mit Begrünung, breiten Gehwegen, geschützten Radwegen und Trams erarbeitet, der leider nach der Neuausrichtung der Verkehrspolitik nach der Senatswahl 2023 nicht mehr beachtet wurde.

„Wir feiern jeden Meter, haben wir gesagt, als die Friedrichstraße für den Fuß- und Radverkehr im Sommer 2020 eröffnet wurde. Wir hätten auch sagen können, ‘Wir feiern Stefan’, denn es war auch sein Verdienst, dass die Hauptstadt sich traute, den öffentlichen Raum konkret neu zu denken. Er, der tatsächlich nicht gerne Rad fuhr, wird uns sehr fehlen”, sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities.

Stefan Lehmkühler war seit dem Volksentscheid Fahrrad aktiv im Verein und kämpfte insbesondere dafür, Mitte menschenfreundlicher zu machen. Er brannte nicht nur für nachhaltige Mobilität, sondern hat maßgeblich das Netzwerk Pro Straßenbahn vorangebracht, hat für Verkehrswende-Initiativen in ganz Deutschland ein eigenes Tool für selbstorganisierte Verkehrszählungen entwickelt, und war auch bei den Grünen aktiv. Sein Engagement, sein Optimismus und seine Perspektive haben Berlin ein Stück lebenswerter gemacht. Wir machen weiter, wo er aufgehört hat: „Ruhe bewahren. Denken hilft! Meistens.“