Vom VIP-Parkplatz zum Climate Shelter

Vergangene Woche war Changing Cities zu Gast in Ljubljana. Gemeinsam mit den Stadtaktivist*innen von „Wir machen Wien“ trafen wir die lokalen Urbanist*innen von „Prostorož“, die seit Jahren mit kreativen Interventionen die Stadt verändern.

Bei einer Stadtführung zeigten sie uns eines ihrer Projekte, das mit einer einfachen Frage begann: „Wo ist es eigentlich am heißesten in der Stadt?“. Mit roten Punkten konnten die Anwohner*innen Ljubljanas auf einer Karte markieren, wo sie unangenehme Hitze empfinden. Es entstand eine Hitzekarte. Das Ergebnis war alarmierend. Besonders ein Bereich war von roten Punkten übersät: die Straßen rund um das große Universitätsklinikum der Stadt, das University Medical Centre Ljubljana.

Drei Personen stehen auf einer Brücke. Eine Person hält ein Schild hoch, was viele rote Punkte auf einer Stadtkarte zeigt. Die meisten roten Punkte befinden sich in der Mitte der Stadt. Eine Person zeigt auf das Schild und erklärt den anderen etwas. Drumherum stehen Fahrräder.

Ein Bereich voller Hitze-Hotspots befindet also genau an dem Ort, an dem sich besonders viele vulnerable Personen aufhalten: ältere Menschen, Schwangere, gesundheitlich angeschlagene Patient*innen sowie Angehörige, die besonders während der Corona-Pandemie lange Wartezeiten im Außenbereich überbrücken mussten. Hinzu kommt eine oft übersehene Gruppe: die Krankenhausmitarbeitenden selbst. Pflegekräfte und Ärzt*innen arbeiten unter hohem Druck und haben im Umfeld des Klinikums kaum Möglichkeiten, im Schatten kurz durchzuatmen und eine Pause zu machen.

Prostorož entschied sich, selbst aktiv zu werden: Sie bauten einen Clima Shelter – einen überdachten Bereich mit Sitzbänken. Der kleine Bau bietet Schutz vor Sonne und Hitze. Besonders bemerkenswert: Der Standort des Shelters diente zuvor als exklusiver VIP-Parkplatz für das Krankenhaus-Management. Heute steht der Bereich allen offen – Patient*innen, Angehörigen, Beschäftigten und Passant*innen.

Auf dem Bild ist ein gebautes Straßenmobiliar zu sehen. Es besteht auf drei Bänken, darüber ein Dach mit Sonnen- oder Regenschutzfunktion. Hinter den Bänken ist eine Straße mit Autos zu sehen, sowie ein großes Gebäude. Das große Gebäude ist das Krankenhaus. Mehrere Personen laufen auf dem Gehweg. Die Sonne scheint.

Berlin trifft Ljubljana

International wird Ljubljana häufig für seine autofreie Innenstadt gelobt: breite Fußgängerzonen, lebendige Uferbereiche entlang der Ljubljanica und viel Raum für Menschen statt Autos. Wir konnten uns bei unserem Besuch selbst davon überzeugen. Doch verlässt man das Zentrum, wandelt sich das Bild. In Erinnerung bleiben uns vor allem die schlechten Fahrradwege: sehr schmal oder gar nicht vorhanden. Wer aus den Außenbezirken mit dem Fahrrad ins Zentrum fahren möchte, braucht Geduld – manchmal auch Mut.

Auch deshalb war unser Besuch wichtig. Am Donnerstagabend stellten wir unsere Arbeit bei Changing Cities vor. 50 lokale Urbanist*innen und Stadtaktivist*innen erfuhren von unseren Kampagnen zu Radwegen und Kiezblocks. Vielleicht gründet sich vor den kommenden Regionalwahlen in Ljubljana dieses Jahr noch das erste Fahrrad-Referendum Sloweniens?

Im Fokus des Bildes steht eine Person im "Changing Cities"-T-Shirt, die einen Vortrag hält. Hinter der Person ist eine Power-Point-Präsentation zu sehen. Im Vordergrund sieht man viele Personen auf Stühlen im Publikum sitzen.
Foto: Gregor Gobec

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