Auf einem Zebrastreifen rammte am Montag ein 84-jähriger Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit eine Mutter mit ihrem zweijährigen Sohn. Der Junge wurde laut Polizei durch die Luft geschleudert und musste wie seine Mutter notoperiert werden. Gestern ist er gestorben. Changing Cities spricht den Angehörigen sein tiefes, tiefes Mitgefühl aus und plant mit anderen Organisationen eine Mahnwache am Unfallort.
„Es ist unerträglich: Kein zweijähriges Kind darf im Straßenverkehr getötet werden – erst recht nicht auf einem Zebrastreifen. Warum priorisiert Senatorin Bonde (CDU) Tempo 30 an 23 Hauptstraßen wieder abzuschaffen, statt Tempo 30 an allen Fußgängerüberwegen anzuordnen, wie es durch die novellierte StVO nun möglich ist? Dieser schreckliche Todesfall zeigt in aller Deutlichkeit die falschen Prioritäten dieser Senatsverwaltung: Ein – vermeintlich – zügiger Autoverkehr ist ihr wichtiger als die Sicherheit von Kindern!”, sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities.
Viel zu selten wird der Kontext bedacht: Dieser Unfall ist kein schicksalhaftes Ereignis, denn im vergangenen Jahr ist alle 19 Minuten ein Kind in Deutschland im Straßenverkehr verletzt worden oder ums Leben gekommen. Tempo 30 ist keine Garantie, dass keine Unfälle mehr passieren. Aber Tempo 30 reduziert erheblich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch stirbt oder schwer verletzt wird: Wird ein*e Fußgänger*in mit 50 km/h angefahren, liegt die Wahrscheinlichkeit, tödlich oder schwer verletzt zu werden, bei 80 Prozent. Bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 30 km/h sinkt dieses Risiko auf 40 Prozent.
Ein Senatsbeschluss zur Wiedereinführung von Tempo 50 wurde gestern Abend auf den 2. September vertagt, da der SPD die Argumentation der Senatsverwaltung für Verkehr nicht ausreicht. Changing Cities begrüßt den Einwand der Partei, Tempo 30 solle behalten bzw. ausgebaut werden. Schaut man sich eine Karte der Berliner Schulen an, ist es nicht vorstellbar, dass nicht eine erhebliche Zahl an Schulkindern diese 23 Hauptstraßen als Schulweg benutzt. Der Tagesspiegel hat zudem mehrere Kitas identifiziert, die sich dort befinden.
Wenn der Berliner Senat, allen voran die Senatorin für Verkehr, die „Vision Zero“ als Ziel hätte, würden sie mehr tun für die Sicherheit im Berliner Straßenverkehr. Es wäre so einfach, andere Städte machen es erfolgreich vor: Was Berlin wirklich braucht, sind verkehrsberuhigende Maßnahmen, nicht die Aufhebung von Tempolimits oder gar den Rückbau von verkehrssichernder Infrastruktur. Von Träumereien über Magnetschwebebahnen mal ganz zu schweigen.