Verkehrssektor gefährdet unsere Zukunft

Wenn wir buchstäblich so weiterfahren wie bisher, kann Deutschland seine Klimaziele 2040 nicht erreichen. Der Verkehrssektor ist neben dem Gebäudesektor das Problemkind der Nation. Die Erkenntnis ist nicht neu, wird aber mit Nachdruck in einer heute veröffentlichten Studie der Agora Verkehrswende zu den Treibhausgasemissionen 2025 ausbuchstabiert. Wichtig ist dabei, den Fokus auf die lebenswerte Zukunft zu lenken, denn sie ist es, die auf dem Spiel steht. Die Klimaziele sind nur der Maßstab dafür, wie wir sie erreichen können.

Für den Verkehrssektor, in dem bis heute kaum etwas passiert ist, bedeutet das massive Veränderungen. 15 Jahre haben wir noch Zeit – und je länger wir das hinauszögern, desto schwieriger und radikaler wird die Umstellung. Nach den derzeitigen Entwicklungen drohen bereits in fünf Jahren EU-Nachzahlungen, sprich Kauf von CO2-Zertifikaten, in Höhe von 34 Milliarden Euro.

„Mit einem modernen ÖPNV kann die Bundesregierung den Grundstein für die Mobilität von Morgen legen. Sorgt sie auch dafür, dass die Menschen sicher und bequem zu Fuß, mit dem Rad oder mit einem Sharingfahrzeug den Bahnanschluss nicht verpassen, brauchen wir viel weniger Pkw als heute. Eine smarte und günstige Mobilitätskette ist der Schlüssel zum Erfolg – in der Stadt und auf dem Land. Diese Zukunftsplanung erwarten die Bürger*innen von der Bundesregierung. Wir wollen unsere hohe Lebensqualität erhalten und den Wirtschaftsstandort stärken und fordern deswegen massive Investitionen im Verkehrssektor”, sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities.

Bis März hat die Bundesregierung Zeit, ein ambitioniertes Klimaschutzprogramm zu verabschieden. Sie muss dabei beschließen:

  1. Massive Reduktion des motorisierten Individualverkehrs durch großzügigen Ausbau alternativer Verkehrsangebote.
    a) Öffentlicher Verkehr: hier müssen die Kapazitäten erhöht werden. Zudem muss der ÖPNV enorm an Attraktivität gewinnen – sowohl für die Fahrgäste als auch für die Beschäftigten. 
    b) Förderung der Fuß- und Radverkehrsinfrastruktur. Beide Mobilitätsformen haben immense Vorteile – neben der Einsparung von CO2 vor allem gesundheitliche! – und können im Nahbereich viele Kfz-Fahrten ersetzen. In kaum einem anderen Bereich lässt sich so kostengünstig viel CO2 einsparen!
  2. Weitere Reduktion des motorisierten Verkehrs und des Flugverkehrs durch Abschaffung von Anreizen wie Dienstwagenprivileg, Dieselsubventionen, Pendlerpauschale, etc. und durch Einführung einer Kerosinsteuer. Teilweise muss hier auf sozialverträglichen Abbau geachtet werden, dafür sind 15 Jahre eine kurze Zeit.
  3. Förderung der Elektrifizierung des verbleibenden motorisierten Verkehrs durch zügigen Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie durch eine Reform der KfZ-Steuer
  4. Sofortige Reduktion der Emissionen bis die anderen Maßnahmen greifen durch Tempolimits 30/80/100
  5. Vermeidung, notfalls Kompensation, von fossilen Lock-ins: Wer aus ökonomischen Gründen zu lange auf Verbrenner oder Gasheizung setzt, wird die CO2-Preiserhöhung hart treffen. Für ärmere Haushalte ist eine Umstellung evtl. nicht mehr finanzierbar. Um eine sozial gerechte Umstellung zu erreichen, sind kompensatorische Maßnahmen erforderlich. Diese müssen bei allen Maßnahmen mitkonzipiert werden.

Weiterführende Links:
Studie der Agora Verkehrswende vom 7. Januar 2026