Das Kidical Mass Aktionsbündnis fordert die Bundesländer und Kommunen zu mehr Engagement bei der Einrichtung von Schulstraßen auf. Temporäre und dauerhafte Schulstraßen sind aus Sicht des Bündnisses unerlässlich, um die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen auf Schulwegen zu erhöhen. Für eine flächendeckende Umsetzung sind die Bundesländer gefordert, den Beispielen von Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zu folgen und ihre Kommunen per Erlass, Handreichung oder Informationsschreiben zur Einrichtung von Schulstraßen zu ermutigen.
So ist in Nordrhein-Westfalen seit der Veröffentlichung eines Erlasses des Verkehrsministeriums zur Einrichtung von temporären Schulstraßen im Januar 2024 ihre Zahl deutlich gestiegen: Waren im August 2025 noch 41 temporäre Schulstraßen seit dem Erlass eingerichtet, meldete das Land im August 2026 bereits 83. Das entspricht einem Anstieg um mehr als 100 Prozent. Insgesamt gab es zu diesem Zeitpunkt 93 Schulstraßen in Nordrhein-Westfalen, 19 weitere sollen in diesem Jahr voraussichtlich noch hinzukommen. Trotz dieser großen Erfolge fordert das Kidical Mass Aktionsbündnis die Bundesregierung auf, über eine Änderung der Straßenverkehrsordnung den Kommunen die Einrichtung von Schulstraßen zu erleichtern. Hier braucht es eine flächendeckende Lösung und keinen Flickenteppich.
Bereits im Dezember 2023 zeigte ein von Kidical Mass, Changing Cities, Deutschem Kinderhilfswerk und VCD beauftragtes Rechtsgutachten, die Möglichkeiten für Schulstraßen auf. Demnach können Kommunen sowohl temporäre als auch dauerhaft autofreie Schulstraßen bereits nach geltendem Recht einrichten, auch ohne eine ausdrückliche Regelung in der Straßenverkehrsordnung (StVO).
Die Forderung nach sicheren Schulwegen haben in den letzten Wochen auch rund 20.000 Menschen unterstützt, die in Deutschland mit Aktionen wie beispielsweise Fahrraddemos in fast 100 Städten und Gemeinden an den Kidical Mass Aktionswochen teilgenommen haben.
Dem Kidical Mass Aktionsbündnis gehören über 400 lokale Organisationen und Initiativen sowie überregionale Partner*innen an. Das Bündnis sieht sich durch die hohe Beteiligung in seinen Forderungen bestärkt: Temporäre und dauerhafte Schulstraßen sind unerlässlich, um die Sicherheit von Schulwegen zu erhöhen. Darüber hinaus ruft das Bündnis die Kommunen dazu auf, den im Zuge der Novelle der Straßenverkehrsordnung im Herbst 2024 gewonnenen Handlungsspielraum konsequent zu nutzen. Dazu gehören Maßnahmen wie der Ausbau sicherer, dichter Fuß- und Radwegenetze sowie die Einrichtung von Tempo 30-Bereichen.
Simone Kraus, Co-Initiatorin der Kidical Mass: „Ich wünsche mir, dass Kinder ihren Schulweg selbstständig und sicher erleben können. Schulstraßen schaffen vor Schulen mehr Raum zum Ankommen, zu Fuß gehen und Radfahren – und entlasten die oft hektische Situation vor dem Schultor. Ich hoffe, dass alle Bundesländer dem Beispiel NRWs folgen und Schulstraßen ermöglichen. Damit das überall einfach und rechtssicher möglich ist, brauchen wir Schulstraßen auch ausdrücklich in der StVO.“
Christiane Rohleder, VCD-Bundesvorsitzende: „Die Versäumnisse der Verkehrspolitik belasten Eltern und Kinder ganz konkret. Tempo 30 innerorts, dichte Fuß- und Radwegenetze und Schulstraßen müssen endlich zum Standard werden. Bund, Länder und Kommunen müssen Straßen so gestalten, dass Kinder aktiv und selbstständig unterwegs sein können.”
Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes: „Wir freuen uns sehr, dass so viele Kinder und Erwachsene für die Forderungen der Kidical Mass auf den Straßen unterwegs waren. Jetzt brauchen wir endlich eine an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen ausgerichtete Verkehrspolitik und eine echte Mobilitätswende. An deren Konzeptionierung und Umsetzung müssen die Kinder und Jugendlichen beteiligt werden.“
Ragnhild Sørensen, Changing Cities e.V.: „Ein Kind, das heute Fahrrad fährt oder selbständig zur Schule geht, lernt fürs Leben. Auf sicheren Wegen die Welt zu entdecken – das wünschen sich doch alle für unsere Kinder. Warum rutschen diese Wünsche immer nach unten auf der To-Do-Liste der Politiker*innen?“
