Berlin, 09. September 2025 – Ein Autofahrer streitet sich am Sonntagvormittag mit seinem Beifahrer und fährt zwei zu Fuß gehende Menschen in Berlin-Lichterfelde an, beide verletzt er schwer. Danach fährt er in Teltow einen Radfahrer tot. Changing Cities e.V. spricht allen Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aus.
Kaum neigen die Ferien sich dem Ende zu, ist das Leben von Fußgänger*innen und Radfahrer*innen massiv gefährdet:
Donnerstag 4.9.:
In Wedding fährt ein Autofahrer in eine Menschengruppe und verletzt sechs Kinder und einen Erwachsenen schwer.
Freitag 5.9.:
Ein Autofahrer fährt ein Kind auf einer Fahrbahn in Moabit an.
Samstag 6.9.:
In Potsdam stirbt ein 55-jähriger Radfahrer nach einer Kollision mit der Tram beim Überqueren der Gleise. In Marienfelde fährt ein Autofahrer ein zweijähriges Kind an.
Sonntag 7.9.:
Ein Autofahrer verletzt in Lichterfelde zwei Fußgänger*innen schwer und tötet anschließend einen Radfahrer.
„Frau Senatorin Bonde (CDU) sagt dem Tagesspiegel, dass Verkehrssicherheit „für uns und mich höchste Priorität“ hat. Wenn das der Fall ist, will man als Berliner*in lieber nicht wissen, was sie weniger priorisiert … Verkehrsunfälle sind keine Krankheiten oder natürliche Todesursachen – es sind systemische Ereignisse, die jeden Tag stattfinden und vermeidbar sind. Das ist die Aufgabe einer Verkehrssenatorin: Mit allen Mitteln, die Zahl der Verletzten und Getöteten im Straßenverkehr reduzieren. Statt Mitgefühl speist sie die Opfer mit folgendem Satz ab: ‘Wir können nicht nach Gutdünken Tempo 30 anordnen!’ Niemand will aber Tempo 30 nach Gutdünken, sondern nach der StVO: bei hochfrequentierten Schulwegen, als Lückenschluss (<500 m), bei Zebrastreifen und bei schutzbedürftigen Einrichtungen. Paralell dazu können Maßnahmen für angemessene Flächen für den fließenden und ruhenden Rad- und Fußverkehr (§ 45 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 b) StVO) ergriffen werden. Tun Sie doch, was die StVO vorschreibt, Frau Bonde”, sagt Ragnhild Sørensen von Changing Cities.
Der Täter von Sonntag war zuerst als Beifahrer unterwegs. Er hat sich dann wohl so sehr mit dem Fahrer gestritten, dass der Fahrer ausgestiegen ist. Dann ist der Beifaher zum Fahrer geworden, hat aber keinen Führerschein. Jetzt wird wegen Totschlags ermittelt. Wären die beiden dabei nicht Auto gefahren, wären vermutlich keine weiteren Menschen zu Schaden gekommen. Eine große Befragungsstudie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) bestätigt: Die Bereitschaft, seinen Frust am Steuer herauszulassen und andere zu maßregeln, ist enorm gestiegen. Auch darauf müsste die Senatorin reagieren: Wenn ein Auto zunehmend zur Waffe wird, müssen die Behörden deren Nutzung einschränken – bei Schusswaffen, Messern u.ä. ist das eine Selbstverständlichkeit.
Weiterführende Links:
Befragungsstudie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) vom 2023
Interview mit Frau Bonde im Tagesspiegel vom 8. September 2025