Verkehrswende in Warschau

Fotos von polnischen Infografiken zu neuer Infrastruktur und begrünter Stadt

Bei den Themen Verkehrswende, Stadtumbau und Förderung des Radverkehrs werden häufig Städte, wie Paris, Barcelona, Helsinki oder Kopenhagen genannt. Bisher weniger bekannt ist aber, dass Warschau, die Hauptstadt Polens, bald ein weiteres Beispiel dafür unter europäischen Großstädten sein wird.

In Warschau ist man gerade dabei, Teile der Innenstadt umzubauen. So entstehen zum Beispiel durch zahlreiche neue Sitzbänke Orte zum Verweilen, neue Geschäfte und Gastronomie haben in den bereits umgestalteten Bereichen geöffnet. All das wird von den Menschen auch gut angenommen und die Restaurants und Cafés haben großzügige Bereiche für Außengastronomie erhalten.



Neben den neuen Fußgängerzonen werden auch neue baulich getrennte Radwege angelegt samt Fahrradbügeln zum Abstellen der Räder. Es wird entsiegelt und es wurden bereits viele neue Bäume und Sträucher geplanzt – übrigens auch abseits der Bereiche, die gerade umgestaltet werden.

Diese Umgestaltungen sind nicht nur punktuell, denn es lässt sich bereits jetzt ein größeres Konzept erkennen. So führt eine Straße, an der gerade ein neuer baulich getrennter Radweg entsteht, direkt auf eine Brücke über die Weichsel zu, die nur von Fußgängern und Radfahrenden genutzt werden darf. Somit entstehen zusammenhängende Verkehrsachsen auf denen Radfahrende sicher abseits des Autoverkehrs fahren können.

Diese Pläne sind keine ferne Vision, sondern die Realisierung dieser Vorhaben findet jetzt gerade statt. Hier informiert die Stadt Warschau über die Umbauten.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass man im Warschauer Zentrum neue Radwege und Fahrradbügel baut, um vor dem Bedarf zu sein und die Menschen in der Stadt zu animieren und zu überzeugen, das Fahrrad öfter zu nutzen.

Außerdem nehmen in Warschau alle Verkehrteilnehmenden sichtbar Rücksicht aufeinander. Im Stadtzentrum gibt es viele Zebrastreifen, an die die Autofahrenden ausnahmslos langsam heranfahren und auch wirklich anhalten, wenn ein Fußgänger die Straße überqueren möchte. Erhöhungen in der Fahrbahn (Kissen, Schwellen) verlangsamen den Autoverkehr in vielen Seitenstraßen und es wird generell kaum gehupt, genötigt oder gedrändelt.

Warschau ist damit ein weiteres Beispiel dafür, dass die Verkehrswende und die Reduzierung des Autoverkehrs zugunsten von Fußgängern und Radfahrenden in einer Großstadt von rund 1,8 Mio Einwohner umsetzbar ist.

Bericht und Fotos von Norman Fischer