Senatorin Bonde fordert umfassende Poller-Kontrolle

Niemand kennt ihre genaue Anzahl, aber eine Zählung kam bereits 2014 auf 344.600 Poller in Berlin. Heute sind es vermutlich wesentlich mehr – und jeder einzelne soll regelmäßig überprüft werden. Auch das Aufstellen neuer Poller soll erst nach aufwändigen Prüfungen erfolgen. Changing Cities fragt sich, ob Frau Bonde (CDU) sich mit ihrem vermeintlichen Wahlgeschenk „keine Durchfahrtsverbote“ vielleicht verschätzt hat. Denn eine neue Studie, die Verkehrsberuhigung in vier Berliner Kiezen untersucht hat, stellt eine Zustimmung von 61 bis 88 Prozent fest.

Statt Probleme zu kontrollieren, die die Berliner*innen tatsächlich belasten, wie Löcher in Gehwegen, Falschparker*innen und Geschwindigkeitsverstöße, sollen die Auswirkungen von Pollern auf Anwohnende, den Wirtschaftsverkehr, das angrenzende Gewerbe und insbesondere auf Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste „belastbar ermittelt“ werden. Mit einer Verwaltungsvorschrift will die Senatorin noch vor der Wahl in die Arbeit der Bezirke eingreifen. 

Die neue Studie, in der 1.480 Personen befragt wurden, zeigt sehr hohe Zustimmungswerte zu Kiezblockmaßnahmen (61 bis 88 Prozent). Maßnahmen wie mehr Bäume, Verkehrsberuhigung und Schulstraßen sind mit bis zu 88 Prozent Zustimmung am populärsten. Poller finden 75 Prozent der Befragten gut. Selbst Maßnahmen wie Rückbau und Umnutzung von Parkplätzen zu Lieferzonen, Gastronomiebetrieb und Parkplätze für Sharingfahrzeuge bewerten mehr als 61 Prozent positiv. 

„Das Narrativ über die Ablehnung von Pollern und verkehrsberuhigende Maßnahmen wird oft einfach übernommen und muss dringend korrigiert werden. Diese Studie zeigt wiederholt, dass Gegner*innen keine Mehrheitsmeinung vertreten. Sie sind nur lauter als die Befürworter*innen und werden von rechten Medien und Parteien tatkräftig unterstützt. Die Menschen vor Ort aber freuen sich mehrheitlich über die Verbesserung der Situation. Und das sind Wähler*innen, Frau Bonde!“, kommentiert Ragnhild Sørensen von Changing Cities.

Verkehrsberuhigung ja, aber ohne Poller – so stellt sich Senatorin Bonde (CDU) effiziente Verkehrslenkung vor. Wie das umgesetzt werden soll, verrät sie allerdings nicht. Im Mai 2025 führte sie einen Finanzierungsstopp von Kiezblocks ein. Ihre damalige Begründung: „Poller gefährden Menschenleben”. Auch in diesem Fall war die Senatorin auf dem Holzweg: Eine weitere Berliner Studie belegt, dass die Unfallzahlen durch Verkehrsberuhigung drastisch zurückgehen.

Gestapeltes Balkendiagramm mit 13 Superblock-Maßnahmen, meist überwiegend positiv bewertet; Legende in Grün bis Rot

Weiterführende Links:
Studie zu Kiezblockmaßnahmen
Poller-Zählung aus 2014
STRATMO-Studie