Die Stadt erholt sich nur langsam nach den Hitzeextremen der letzten Tage. Die Berliner*innen spürten am eigenen Leib, dass die Hauptstadt in keinster Weise auf die Erhitzung des Klimas vorbereitet ist. Changing Cities fordert, dass der Berliner Senat endlich den Klimawandel ernst nimmt und a) die Stadt auf dauerhaft höhere Temperaturen vorbereitet und b) die CO2-Emissionen drastisch und entscheidend Richtung Klimaneutralität reduziert.
Viele Berliner*innen mussten sich in den letzten Tagen in ihre Wohnungen zurückziehen – in denen es ebenfalls längst zu warm war: Hitze auf engem Raum, Sorge um ältere Familienmitglieder und fehlende Bewegung für Kinder, die „Hitzefrei“ hatten. Wer arbeiten musste, bekam die lähmende Wirkung der Hitze ganz besonders zu spüren. Hitze bremst die Wirtschaft aus, zerstört die Infrastruktur – und tötet: Eine europaweite Studie vom Juli 2025 vom „Centre for Planetary Health“ und der „Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG)“ stellte für Deutschland fest, dass es bei uns mehr als doppelt so viele Hitzetote wie Verkehrstote gibt. Soll das so weitergehen?
CDU und SPD in Berlin handeln einfach nicht. Seit März 2025 wurden in der Hauptstadt nur zwei neue Trinkbrunnen installiert, vier sind noch in Arbeit – das Land hat für weitere keine Mittel reserviert. Für 3,9 Millionen Berliner*innen gibt es in der ganzen Stadt nur einen einzigen Cooling-Spot, und zwar am Mauerpark. Klassenzimmer überhitzen, weswegen die Kinder „verkürzten Unterricht“ und mal wieder das Nachsehen haben. Pflegeheime und Krankenhäuser sind für die Hitze nicht vorbereitet, und das gehetzte Personal muss Übermenschliches leisten. Laut Baumgesetz sollten eine Million Bäume bis 2040 gepflanzt werden, aber die Koalition aus CDU und SPD hat bereits 2025 die Finanzierung um die Hälfte gekürzt. Verhindern und Abwürgen von Klimaschutzmaßnahmen sind die einzigen konkreten Aktionen der Landesregierung in Bezug auf zunehmende Hitzewellen.
Der öffentliche, urbane Raum ist nach wie vor an viel zu vielen Stellen versiegelt. Straßen und weitere Beton- und Asphaltflächen speichern die Hitze in der Stadt. Ebenso geparkte Autos: Sie heizen sich nach einer Stunde bei 28 °C auf 60 °C bis 70 °C auf (vgl. BILD vom 26. Juni 2026). Durch diese Wärmespeicher wird es in der Stadt noch heißer. Maßnahmen zur Abkühlung? Fehlanzeige!
„Seit Jahrzehnten ist es bekannt, dass wir auf eine wärmere Welt zusteuern. Seit Jahrzehnten wird das ignoriert. In den letzten Tagen haben wir alle sehr konkret erlebt, wie sich das anfühlt. Wer einen kühlen Kellerraum oder eine Datsche am See hat, kommt vielleicht noch zurecht. Alle anderen sind sich selbst überlassen – das ist die Realität in Berlin. So wollen wir doch nicht leben!“, kommentiert Ragnhild Sørensen von Changing Cities.
Jetzt wird der Ruf nach Klimaanlagen laut. Aber Klimaanlagen heizen das Problem weiter an. Sie geben Wärme an die Umgebung ab und verursachen zusätzliche CO2-Emissionen. Wir müssen das Problem mit Fensterläden, grünen Luftschneisen, Beschattung sowie Fassaden- und Dachbegrünung in den Griff bekommen. Kühlräume müssen eingerichtet und geöffnet werden. Wir benötigen dringend ein stadtweites Wassermanagement, um wertvolles Wasser optimal zu nutzen. Wir brauchen Radwege statt Parkplätze, mehr Kiezblocks, mehr Grün und mehr Schatten. Sonst sitzen wir bei der nächsten und der nächsten und der nächsten Hitzewelle wieder im Hitze-Lockdown.
Weiterführende Links:
Studie „More deaths from heatwaves than traffic accidents in Europe – Why urgent climate and social action is needed“