Tourbericht der Tour de Verkehrswende 26

Tour de Verkehrswende 2026:

Die Tour de Verkehrswende ist eine 10-tägige rollende Fahrraddemo für bessere Fahrradinfrastruktur, Barrierefreiheit, lebenswerte Städte und klimafreundliche Mobilität. Sie fand dieses Jahr zum 6. Mal statt und führte durch die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, weil in den Bundesländern im Herbst gewählt wird.

Eine etwas andere Fahrradtour

Im Gegensatz zu einer privaten Fahrradtour mit Betonung auf Sehenswürdigkeiten, guten Radwegen und schöner Natur sucht die Tour de Verkehrswende gezielt Städte aus, um mehr Aufmerksamkeit für die Verkehrswende zu generieren. An jedem Ort fand mindestens eine politische Aktion statt: ein „Die-In“ in Uelzen, um einem Verkehrsopfer zu gedenken, eine „Bodenzeitung“ in Wolfenbüttel wo Passant*innen ihre Wünsche für ihre Stadt ausdrücken konnten, eine Filmvorführung von „Changing Cities“ von Ingwar Perowanowitsch in Lüneburg und Fotogelegenheiten an besonderen Orten – wie zum Beispiel mitten in einem Badesee oder auf einem Wasserturm.

Bis zu 70 Teilnehmende pro Tag radelten dieses Jahr mit – einige für einzelne Etappen oder ein paar Tage, viele für alle zehn Tage.

Politische Aktionsformen an jedem Ort

Etwas Besonderes auf der diesjährigen Tour waren die anti-AfD Botschaften in unserer Kommunikation, da die zunehmende Popularität der AfD vor allem in Sachsen-Anhalt nicht nur eine Bedrohung für die Demokratie darstellt, sondern auch für die Verkehrswende und für das Klima.

Highlights aus dem Programm waren unter anderem:

  • Teilnahme an der „Prüf-Demo“ in Schwerin die die Bundesregierung, den Bundestag und den Bundesrat auffordert, alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, durch das Bundesverfassungsgericht zu überprüfen
  • Eine Fahrraddemo in Uelzen mit Infos an ausgewählten Orten und mit einem Die-In mit über 140 Personen
  • Eine Podiumsdiskussion in Hannover mit den Kandidat*innen für die Ämter des Oberbürgermeisters und dem*der Regionspräsident*in sowie dem ADFC, VCD und ADAC
  • Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern des Seniorenbeirats und des Beirats für Menschen mit Behinderung sowie zwei Bürgermeisterkandidaten in Helmstedt
  • Die Vorstellung von ParCelle von mobilen Sitzgelegenheiten, auf Lastenrädern transportiert, um die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu erhöhen in Celle
  • Ein Pop-up Radweg aus angemalten Tetra-Paks in Magdeburg
  • Eine „Schiebedemo“ über eine für Radverkehr gesperrte Brücke in Dessau-Roßlau

Kunst und Kultur kamen nicht zu kurz

Trotz des starken Fokus‘ auf Politik kamen Kunst, Kultur und Freizeit auch nicht zu kurz: Straßenmusiker Steffen und sein Gitarrenfahrrad (https://gitarrenfahrrad.de/) boten musikalische Begleitung zu verschiedenen Aktionsformen an und gaben hier und da ein Konzert. Und Leonie mit ihrem Talent für Poetry Slams, hat mehrfach selbst geschriebene Gedichte vorgetragen (https://sunny.garden/@leony/117138032457476457)

Gemeinsame Mahlzeiten, ein spontanes Sonnenfinsternis Public Viewing und verschiedene Badegelegenheiten rundeten das Programm ab. Vor allem die wohlverdienten Abkühlungspausen genossen eine hohe Beliebtheit unter den Teilnehmenden.

Ich kenne eine Abkürzung…“

Natürlich lief nicht immer alles reibungslos im Laufe der Tour. Einige „Klima-Flüchtlinge“ mussten Etappen aussetzen oder die Tour gar frühzeitiger beenden, da es in den letzten Tagen weit über 30 Grad warm wurde und ihnen das Fahrradfahren in der Hitze zu viel war. Ein ungeplanter Abstecher durch einen nicht-barrierefreien Waldweg hat bei vielen für Spaß und Schatten gesorgt, aber nicht gerade für Sichtbarkeit und war (nicht nur) für die mitreisende Handbikerin eine Tortur. Und örtliche Polizeieinsatzleitungen wollten nicht immer einsehen, dass die angemeldete Demonstration auf der Straße fahren durfte, sondern wollten sie auf den straßenbegleitenden schmalen Radweg schicken. Doch das Orga‑Team blieb geduldig, hartnäckig und professionell – ein beeindruckender Einsatz unter den Umständen. Und fast immer war die Zusammenarbeit mit den begleitenden Polizeikräften sehr kooperativ und freundlich.

Insgesamt war die Tour ein allgemeiner Erfolg: Alle Teilnehmenden sind heil an ihren jeweiligen Zielen angekommen. Es gab keine Unfälle oder medizinischen Notfällen, und die Stimmung war wirklich spitze. Wir waren sichtbar, haben tolle Aktionen gemacht, viele Kontakte geknüpft oder wiederbelebt und hatten ein gutes Presseecho.

Vor allem das Team-Zusammenhalt war beeindruckend: Man konnte mit jeder Person ins Gespräch gehen und niemand wurde zurückgelassen oder alleine auf sich gestellt. Ich durfte das selbst erleben, als ich eine unerwartete Panne hatte und ein anderer Teilnehmer sofort angeboten hat, mir mit der Reparatur zu helfen. Zusammen haben wir die Gruppe am nächsten Pausenort wieder eingeholt. Alle waren bereit, Aufgaben zu übernehmen, mit zu organisieren und manche haben sich an völlig neue Aufgaben heran getraut, wie z.B. Ordner*in oder Awareness Team.

Radfahr-Demo auf dem Brandplatz in Celle; Teilnehmer mit Fahrrädern und Bannern hören einer Rede zu

Tour de Verkehrswende: Wichtiges politisches Statement sowie einzigartiges Fahrrad-Erlebnis

Die Tour de Verkehrswende ist generationsübergreifend, (möglichst) barrierefrei, anfänger-freundlich, zugänglich. Es geht nicht um Spitzensport, sondern darum, dass möglichst alle Menschen teilnehmen können – unabhängig vom Alter, sportlicher Tätigkeit, finanziellem Hintergrund oder körperlichen Einschränkungen. Denn: Straßen sind für alle da!

Mit der Tour de Verkehrswende 2026 haben wir ein wichtiges Zeichen für die Verkehrswende sowie Klimaschutz und Demokratie gesetzt. Wir haben Sichtbarkeit für den Radverkehr geschaffen, selbst an ländlichen und dörflichen Orten, die eine Fahrraddemo in der Art noch gar nie gesehen haben. Und wir durften selbst Inspiration von den engagierten Organisationen vor Ort holen.

Wir freuen uns schon auf die TdV 2027! Wenn du Infos darüber bekommen oder sogar selber im Vorfeld mit organisieren möchtest, trage dich auf der Website für die Infomail ein oder schick uns eine Mail: tourdeverkehrswende@changing-cities.org