Wir wollen alle mitnehmen in der Verkehrswende, aber wie? Das beschäftigt uns schon lange und so haben wir die letzten Monate und Jahre auch viel über Einzelhandel und Gewerbetreibende gesprochen. Wie läuft das mit dem Lieferverkehr? Was für Sichtweisen und Bedürfnisse gibt es? Und wie schaffen wir es, dass die Fronten nicht verhärten?

Im September haben wir in unserer Superblock-Runde mit dem Wissenschaftler Dirk von Schneidemesser und den Ehrenamtlichen der Kölner “Initiative Veedelsfreiraum” gesprochen. Wir haben uns mit Wissenschaftler*innen vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) ausgetauscht und auch die Nürnberger Initiative des Superblocks Gostenhof hat ihre Tipps und Erfahrungen mit uns geteilt. Um all dieses Wissen festzuhalten, ist dieses kleine “How-to” entstanden. Es ist auch eine Einladung an Euch, weitere Perspektiven und Erfahrungen zu teilen und hat keinen Anspruch auf ultimative Anwendbarkeit und Vollständigkeit. Schreibt uns also gerne, was Ihr dazu denkt!
Daten, Fakten und Hintergründe
In wissenschaftlichen Studien kann man sich leicht verlieren. Deshalb hier für euch zusammengestellt, eine Sammlung von wissenschaftlichen Hintergründen zum Thema. Aber nicht immer helfen wissenschaftliche Argumente und Daten, um Gespräche zu führen. Dazu findet Ihr mehr im nächsten Abschnitt.
- Verkehrsberuhigung und Einzelhandel: Dann wird es laut: Verkehrsberuhigungsmaßnahmen schaden dem Einzelhandel per se nicht. Im Gegenteil, dort, wo sie gut umgesetzt sind, können sie zu positiven Entwicklungen führen. Eine höhere Aufenthaltsqualität wie zum Beispiel durch Schatten, Sitzmöglichkeiten, … wirkt sich positiv auf den Einzelhandel aus.
- Einkauf und Verkehr – tatsächliche Verkehrsmittelwahl der Besucher*innen von Einkaufsstraßen im Vergleich zu Einschätzungen von Einzelhändler*innen: Gewerbetreibende überschätzen die Nutzung des Autos bei ihren Kund*innen und unterschätzen den Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV.
- The relevance of parking in the success of urban centres – A review for London Councils: Eine Umfrage unter Einzelhändler*innen in Bristol ergab, dass ihre Kunden am häufigsten zu Fuß kamen, wobei 42 % in einem Umkreis von 0,5 Meilen wohnten (Geschäftseigentümer*innen schätzten diesen Anteil auf 12 %). Ladenbesitzer*innen schätzten, dass 41 % ihrer Kund*innen mit dem Auto kamen, tatsächlich waren es jedoch nur 22 %.
- Impacts of parking and accessibility on retail-oriented city centres: Eine Reduzierung der Parkplätze in Innenstädten kann sich positiv auf das Gewerbe auswirken.
- Storefront Activity in NYC Neighborhoods: Eine Priorisierung des Fuß- und Radverkehrs wirkt sich positiv auf das Gewerbe aus, in diesem Fall in New York untersucht als “storefront activity”.
Herangehensweise und Gespräche suchen

Um alle mitzunehmen, ist es wichtig mit allen ins Gespräch zu kommen und das früh genug: So fühlt sich niemand übergangen oder überrumpelt.
Die Kölner Initiative “Veedlsfreiraum” hat in einem umfassenden Prozess Gespräche mit Gewerbetreibenden geführt, davor genaue Überlegungen angestellt, immer wieder reflektiert, nochmals Gespräche geführt und ausgewertet. Was war ihre Herangehensweise?
Was ist das Ziel der Gespräche?
Tipp der Kölner*innen: In den Gesprächen hilft es, die eigene Sprache bewusst zu wählen und beispielsweise nicht vom “Superblock-Konzept”, sondern von einer „Idee“ zu sprechen.
Mit wie vielen Leuten sollte man die Gespräche führen?
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Sollte man sich vorher ankündigen?
Die Tage von Montag bis Freitagvormittag eignen sich am besten für die Gesprächsbesuche, da am Freitagnachmittag und Wochenende der Geschäftsbetrieb Vorrang hat.
Welche Fragen stellt man?
1. Was an diesem Abschnitt der Neusserstraße finden Sie jetzt schon gut?
2. Was wünschen Sie sich als Ladenbesitzer*in/Mitarbeiter*in für die
Neusserstraße?
3. Was ist essenziell (in Bezug auf die Infrastruktur), dafür, dass Ihr Geschäft gut läuft?
4. Was denken Sie, wünschen sich die Kund*innen?
5. Was glauben Sie, wünschen sich die Anwohner*innen? (Diese Frage haben wir, die Kölner Initiative, nach dem ersten Feldversuch gestrichen, da sie sich nach einer Wissensabfrage anfühlte und wenig Mehrwert geliefert hat.)
6. Was wollen Sie uns darüber hinaus noch mitgeben?
7. Gibt es etwas, das wir nicht gefragt haben, das wir hätten fragen sollen?
8. Mit wem sollten wir Ihrer Meinung nach als Nächstes sprechen?
Welche Ergebnisse sind zu erwarten?
Es wurde zum Beispiel berichtet, dass die Gewerbetreibenden im Viertel untereinander gar nicht vernetzt sind, sich das aber eigentlich wünschen würden. Daraufhin plant die Veedelsfreiraum-Initiative jetzt einen Workshop, in dem die Gewerbetreibenden zu ersten Mal zusammenkommen werden. Auch Möglichkeiten für Außengastronomie konnten von den Initiativen weitergeleitet oder unterstützt werden und führten zu einem positiven Verhältnis.
Also los geht’s – jetzt wird an die Schaufenster geklopft und zusammen Verkehrswende gemacht!
Ihr habt Nachfragen und sucht mehr Details? Gerne stellen wir den Kontakt her.
