Von Schaufenster zu Schaufenster – Ideen für Gespräche mit Gewerbetreibenden

Wir wollen alle mitnehmen in der Verkehrswende, aber wie? Das beschäftigt uns schon lange und so haben wir die letzten Monate und Jahre auch viel über Einzelhandel und Gewerbetreibende gesprochen. Wie läuft das mit dem Lieferverkehr? Was für Sichtweisen und Bedürfnisse gibt es? Und wie schaffen wir es, dass die Fronten nicht verhärten? 

Im September haben wir in unserer Superblock-Runde mit dem Wissenschaftler Dirk von Schneidemesser und den Ehrenamtlichen der Kölner “Initiative Veedelsfreiraum” gesprochen. Wir haben uns mit Wissenschaftler*innen vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) ausgetauscht und auch die Nürnberger Initiative des Superblocks Gostenhof hat ihre Tipps und Erfahrungen mit uns geteilt. Um all dieses Wissen festzuhalten, ist dieses kleine “How-to” entstanden. Es ist auch eine Einladung an Euch, weitere Perspektiven und Erfahrungen zu teilen und hat keinen Anspruch auf ultimative Anwendbarkeit und Vollständigkeit. Schreibt uns also gerne, was Ihr dazu denkt! 

Daten, Fakten und Hintergründe 

In wissenschaftlichen Studien kann man sich leicht verlieren. Deshalb hier für euch zusammengestellt, eine Sammlung von wissenschaftlichen Hintergründen zum Thema. Aber nicht immer helfen wissenschaftliche Argumente und Daten, um Gespräche zu führen. Dazu findet Ihr mehr im nächsten Abschnitt.

Herangehensweise und Gespräche suchen 

Um alle mitzunehmen, ist es wichtig mit allen ins Gespräch zu kommen und das früh genug: So fühlt sich niemand übergangen oder überrumpelt. 

Die Kölner Initiative “Veedlsfreiraum” hat in einem umfassenden Prozess Gespräche mit Gewerbetreibenden geführt, davor genaue Überlegungen angestellt, immer wieder reflektiert, nochmals Gespräche geführt und ausgewertet. Was war ihre Herangehensweise?  

Was ist das Ziel der Gespräche?
Wichtig ist der Grundsatz, wirklich offene Fragen zu stellen, zuzuhören und einen ehrlichen Dialog zu führen. Dabei geht es einerseits darum, faktische Bedürfnisse und Meinungen der Gewerbetreibenden zu erfassen. Im Vordergrund steht aber gleichzeitig das Ziel, persönliche Bekanntschaften zwischen der Initiative und Ladenbesitzenden zu machen.

Tipp der Kölner*innen: In den Gesprächen hilft es, die eigene Sprache bewusst zu wählen und beispielsweise nicht vom “Superblock-Konzept”, sondern von einer „Idee“ zu sprechen. 
Mit wie vielen Leuten sollte man die Gespräche führen?
Am besten zu zweit, so kann sich eine Person auf das Gespräch konzentrieren und ggf. an der richtigen Stelle nachhaken, während die zweite Person notiert und beobachtet. Danach kann das Gespräch gemeinsam rekapituliert werden: Was hast Du verstanden / gehört? Was hat Dich überrascht?
Wie viel Zeit sollte man einplanen? 
In den meisten Fällen reichen ca. 30 Minuten. Manche Gespräche dauern vor allem aufgrund der Bereitschaft der Interviewten deutlich länger. Ein Puffer reduziert Stress.
Sollte man sich vorher ankündigen? 
Manchmal erreicht man leicht jemanden per E-Mail oder Social Media. Ansonsten lohnt es sich auch einfach vorbeizugehen, so hat man sich schon einmal persönlich vorgestellt das lindert Berührungsängste von Seiten der Gewerbetreibenden. Ihr könnt anbieten, dass das Gespräch jetzt sofort stattfinden kann, aber auch zu einem anderen gewünschten Zeitpunkt.
Die Tage von Montag bis Freitagvormittag eignen sich am besten für die Gesprächsbesuche, da am Freitagnachmittag und Wochenende der Geschäftsbetrieb Vorrang hat.
Welche Fragen stellt man?
Hier die Fragen der Kölner Initiative. Nutzt Sie als Beispiele und passt sie auf Euren Kontext an.

1. Was an diesem Abschnitt der Neusserstraße finden Sie jetzt schon gut? 

2. Was wünschen Sie sich als Ladenbesitzer*in/Mitarbeiter*in für die 
Neusserstraße? 

3. Was ist essenziell (in Bezug auf die Infrastruktur), dafür, dass Ihr Geschäft gut läuft? 

4. Was denken Sie, wünschen sich die Kund*innen? 

5. Was glauben Sie, wünschen sich die Anwohner*innen? (Diese Frage haben wir, die Kölner Initiative, nach dem ersten Feldversuch gestrichen, da sie sich nach einer Wissensabfrage anfühlte und wenig Mehrwert geliefert hat.) 

6. Was wollen Sie uns darüber hinaus noch mitgeben? 

7. Gibt es etwas, das wir nicht gefragt haben, das wir hätten fragen sollen? 

8. Mit wem sollten wir Ihrer Meinung nach als Nächstes sprechen? 
Welche Ergebnisse sind zu erwarten?
Die Kölner Initiative hat mit über 10 ansässigen Gewerbetreibenden gesprochen. Die Ergebnisse dieser Gespräche waren viel heterogener als von ihnen erwartet.
Es wurde zum Beispiel berichtet, dass die Gewerbetreibenden im Viertel untereinander gar nicht vernetzt sind, sich das aber eigentlich wünschen würden. Daraufhin plant die Veedelsfreiraum-Initiative jetzt einen Workshop, in dem die Gewerbetreibenden zu ersten Mal zusammenkommen werden. Auch Möglichkeiten für Außengastronomie konnten von den Initiativen weitergeleitet oder unterstützt werden und führten zu einem positiven Verhältnis. 

Also los geht’s – jetzt wird an die Schaufenster geklopft und zusammen Verkehrswende gemacht! 
Ihr habt Nachfragen und sucht mehr Details? Gerne stellen wir den Kontakt her.

Superblocks entstehen, weil Nachbar*innen beschließen, die Verkehrswende vor ihrer Haustür selbst in die Hand zu nehmen. Das willst du auch? Unser bundesweites Netzwerk hat viel Erfahrung. Wir unterstützen Dich beim Aufbau Deiner Initiative.