Jede*r kann Rad fahren – außer Kinder in Berlin

WANN: 25. August 2019, 14 Uhr
WO: Vor dem Rathaus Tempelhof, Tempelhofer Damm 165, 12099 Berlin
WAS: Kinderfahrraddemo zum Rathaus Schöneberg, ca. 10 Kilometer

Zum fünften Mal demonstrieren Kinder und Jugendliche in Berlin für sichere Radwege in ihrer Stadt. Begleitet von der Polizei gehört die Straße für ein paar Stunden den Kindern – endlich können sie sich sicher, selbständig und frei bewegen. Die Kidical Mass wird organisiert vom Fahrradfreundlichen Tempelhof-Schöneberg, einem Netzwerk bei Changing Cities e.V.. und LEAK, dem Landeselternausschuss Kita.

Zwanzig Tage nach Schulanfang haben die Berliner Kinder es schon satt: Sie wollen sicher und selbständig auf dem Rad durch ihre Stadt fahren. Aber fahrradfahrende Kinder gehören zur Gruppe der am meisten gefährdeten Verkehrsteilnehmer*innen. Da deshalb viele Eltern ihre Kinder zur Kita und Schule im Auto kutschieren, haben die Kinder immer weniger Möglichkeiten, sicheres Verhalten im Straßenverkehr zu erlernen. Als Konsequenz sind sie auch in der Freizeit nicht selbständig unterwegs.

„Mit der Kidical Mass fordern wir nicht nur eine sichere Radverkehrsinfrastruktur in unserem Bezirk, insbesondere für Kinder und Familien, eine familienfreundliche Fahrraddemo macht zudem eine Menge Spaß. Es ist für alle ein ganz besonderes Erlebnis, die Straßen zu erobern – in voller Breite und ohne auf Autos, Lkw und Co. achten zu müssen“, sagt Andreas Meißner vom Fahrradfreundlichen Netzwerk Tempelhof-Schöneberg. Die Länge der Strecke, Ziel und Tempo sind an die Bedürfnisse der Kinder angepasst.

Gerade für Kinder schwinden in einer wachsenden, enger werdenden Stadt die Freiräume. Um so wichtiger ist es, dass geschützte Radwege gebaut, Kreuzungen nach niederländischem Vorbild umgestaltet und getrennte Ampelschaltungen für rechts abbiegende Kraftfahrzeuge eingerichtet werden.

„Auch den Kindern gehört die Straße“, sagt Patrick Reinicke, Organisator der Kidical Mass. „Wir fordern eine Radverkehrsinfrastruktur, die auch an die Bedürfnisse von Kindern angepasst ist, denn wir müssen der nächsten Generationen nachhaltige Mobilität schmackhaft machen. Alles anderes ist komplett unverantwortlich ihnen und ihren Kindern gegenüber.“

Die Veranstaltung ist bei der Polizei angemeldet und genehmigt. Die Polizei wird die Demonstration begleiten und die Fahrstrecke absperren. Für müde Kinder gibt es die Möglichkeit, sich (einen Teil der Strecke) in Lastenrädern transportieren zu lassen. Die Veranstaltung wird unterstützt von LEAK, der  Landes Eltern Ausschuss Kita.

Am 31. August findet die nächste Kidical Mass statt – dann in Lichtenberg, dem angeblich familien- und fahrradfreundlichen Bezirk, der seine erste geschützte Radspur vehement ablehnt.

Ansprechpartner*in für die Presse bei Changing Cities e.V.:
Ragnhild Sørensen, ragnhild.soerensen@changing-cities.org, 0171 535 77 34

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Informationen zum fahrradfreundlichen Netzwerk Tempelhof-Schöneberg

Über Changing Cities e.V.: Wir fördern zivilgesellschaftliches Engagement für lebenswertere Städte. Das bislang größte Projekt von Changing Cities e.V. ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin, mit dem es 2016 gelang, die Berliner Verkehrspolitik zu drehen und das bundesweit erste Mobilitätsgesetz anzustoßen. Changing Cities e.V. unterstützt landes- und bundesweit Bürgerinitiativen, die sich im Bereich nachhaltige Verkehrswende und lebenswerte Städte einsetzen, mit Kampagnenwissen oder stößt solche Initiativen an. Changing Cities ist als gemeinnützig anerkannt.

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexpert*innen, Demokratie-Retter*innen und Fahrrad-Enthusiast*innen. Ein 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benannte konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad wurde Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben – 7% der Wählerstimmen. Die neue Koalition sagte darauf zu, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen. Am 28. Juni 2018 verabschiedete der Berliner Senat Deutschlands erste Mobilitätsgesetz. Jährlich werden nun mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege investiert.