Jens Steckel

„Aus den Erfahrungen beim täglichen Radfahren sammelte sich einfach die Überzeugung an ‚So kann es nicht bleiben, hier muss ich mich für deutliche Verbesserungen einsetzen.‘“

Jens Steckel

Was war für dich der Moment, an dem du dich dazu entschlossen hast, dich für lebenswerte Städte einzusetzen?
Ich engagiere mich in unterschiedlicher Intensität bereits seit 1987 für einen sicheren und komfortablen Radverkehr. Zunächst habe ich das in Dresden in der Interessengemeinschaft Radverkehr gemacht, später individuell in Berlin zu den Themen Abbiegeunfälle und sichere Kreuzungen, dann im Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg und bei Changing Cities. Einen auslösenden Moment gab es da nicht. Aus den Erfahrungen beim täglichen Radfahren sammelte sich einfach die Überzeugung an „So kann es nicht bleiben, hier muss ich mich für deutliche Verbesserungen einsetzen.“

Gibt es eine bestimmte Überzeugung oder ein bestimmtes Ziel, das dich antreibt?
Zwei Sichtweisen und Vergleiche:
Einfach der realistische Blick auf unsere Stadt Berlin, wo jedes Fleckchen mit Autos zugestellt ist, wo Autos überall lärmen und stinken, wo überall Gefahren für die schwächeren Verkehrsteilnehmenden lauern, wo wir laufend zu Mahnwachen aufrufen müssen, weil wieder jemand zu Tode gekommen ist. Im Gegensatz dazu: Wie ruhig, sauber, grün, entspannt, sicher sind Stadtviertel, in denen der Autoverkehr stark reduziert oder ganz unterbunden wurde.

Das Gefühl beim gegenwärtigen Radfahren in Berlin: hohe Konzentration auf Mängel der Infrastruktur, auf Gefahren durch Autos, die abbiegen, aus den Nebenstraßen oder Grundstückseinfahrten herausschießen, auf schlecht gesicherte Baustellen, auf Leute zu Fuß, die wegen mangelhafter Infrastruktur auf Radwege ausweichen usf.. Im Gegensatz dazu: Wie entspannt radelt man auf einem komfortabel trassierten Radweg, fernab vom motorisierten Verkehr z. B. in fahrradfreundlichen Kommunen im Ausland oder auf ausgewählten Bahntrassenradwegen.

Gibt es Momente aus den sechs Jahren Changing Cities, die besonders schön, bewegend und/oder einprägsam waren, so dass du dich immer noch sehr an sie erinnerst?
Große Trauer und Wut empfand ich bei unseren Mahnwachen für Menschen, die oft unter furchtbaren Umständen zu Tode gekommen sind.

Große Freude ergriff mich, wenn uns gute Aktionen gelungen waren, wie z. B. Protestpicknicks auf der Monumenten- oder Langenscheidtbrücke, oder ein arbeitsintensives Werk vollbracht war, wie z. B. der Radnetzentwurf der vier Verbände (CC, ADFC, VCD und BUND) für ganz Berlin.

Was wünscht du dir für die nächsten sechs Jahre Changing Cities? Wo möchtest du die Bewegung für lebenswerte Städte in sechs Jahren sehen?
Einerseits möchte ich, dass es uns mit Changing Cities gelingt, Politik und Verwaltung dazu zu bringen, die ambitionierten Ziele des Berliner Mobilitätsgesetzes wirklich umzusetzen. Das sind nun die Mühen der Ebene, der Kampf um jedes Projekt, um jeden Plan – das ist wirklich nicht einfach. Andererseits wünsche ich mir, dass wir weitere Leuchtturmprojekte finden und dafür eine große Bewegung mobilisieren können, wie es zum Beispiel bei den Kiezblocks der Fall ist.


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