Antje Heinrich

„Es bringt nichts, darauf zu warten, dass ‚die da oben‘ unsere Probleme lösen. Gesellschaftlicher Wandel kommt immer von unten.“

Antje Heinrich

Was war für dich der Moment, an dem du dich dazu entschlossen hast, dich für lebenswerte Städte einzusetzen?
Ich bin schon seit meiner Jugend sehr an Nachhaltigkeitsthemen interessiert, zwischen meinen 20 und 30 Jahren aber so oft umgezogen, dass ich nie so richtig in einem Ehrenamt vor Ort ankommen konnte. Als ich mich dann endgültig für Berlin entschieden hatte, freute ich mich darauf, mich endlich länger in einer Initiative engagieren zu können. Nach ein wenig Umhergesuche und Ausprobieren verschiedener Gruppen bin ich schließlich bei Changing Cities hängen geblieben. Ich denke, weil das Engagement in diesem Verein alles verbindet, was mir im Ehrenamt wichtig ist: für meine Überzeugungen eintreten, konkret lokal etwas verändern können und natürlich Spaß haben und die Zusammenarbeit mit inspirierenden Menschen. Erst im Laufe meines Engagements realisierte ich so richtig, dass Mobilität auf so viel mehr als „nur“ das Klima Einfluss hat.

Gibt es eine bestimmte Überzeugung oder ein bestimmtes Ziel, das dich antreibt?
Es ist ein Zusammenspiel vieler Überzeugungen und Ziele. Eine wichtige Erkenntnis für mich ist, dass es nichts bringt, auf die Politik oder wen auch immer zu warten, damit „die da oben“ unsere Probleme lösen. Gesellschaftlicher Wandel kommt immer von unten. Die Zivilgesellschaft muss sich bewegen, sonst bewegt sich nichts, zumindest nicht zum Guten.

Gibt es Momente aus den sechs Jahren Changing Cities, die besonders schön, bewegend und/oder einprägsam waren, so dass du dich immer noch sehr an sie erinnerst?
Sehr bewegend (im wahrsten Sinne des Wortes) war der Moment, als ich das erste Mal über den frisch eingerichteten breiten und geschützten Radweg auf dem Kottbusser Damm geradelt bin. Wir hatten uns viele Jahre schon dafür eingesetzt und, ehrlich gesagt, bin ich immer noch jedes Mal überrascht, wenn Maßnahmen, die wir fordern, tatsächlich umgesetzt werden. So oft passiert das im Aktivist*innenalltag nämlich leider nicht. Es ist schon ein besonderes Gefühl, über einen Radweg zu fahren und zu wissen, dass man selbst ‒ wenn auch nur einen winzigen Teil ‒ dazu beigetragen hat, dass der jetzt existiert.

Was wünscht du dir für die nächsten sechs Jahre Changing Cities? Wo möchtest du die Bewegung für lebenswerte Städte in sechs Jahren sehen?
Ich hoffe, dass wir es schaffen, eine Vision der menschenfreundlichen Stadt zu vermitteln, die eine Mehrheit der Menschen überzeugt oder ihnen eine Art Aha-Erlebnis verschafft, welches sie das Potenzial unserer Städte sehen lässt. Ich hoffe, in sechs Jahren wird die Forderung nach dem Rückbau der autogerechten Stadt nicht mehr als radikal gelten, sondern als gesunder Menschenverstand. Es wird nicht mehr darüber diskutiert werden, ob der Weiterbau der A100 sinnvoll ist oder nicht, sondern darüber, welche alternative Nutzung der Fläche am sinnvollsten ist.


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