, Berlin

Trotz Mobilitätsgesetz: Zahl der Berliner Verkehrstoten erheblich gestiegen

Neun Menschen mehr als 2017 wurden im Vorjahr im Berliner Verkehr getötet. Das ist eine Steigerung um 25 Prozent. Changing Cities fordert klare Ziele für die Reduktion von Verkehrstoten: „Nur so erreichen wir Vision Zero.“

Ungeschützte Verkehrsteilnehmer stellen mit zwei Dritteln die größte Personengruppe unter den Verkehrstoten in Berlin dar. So stiegen allein die Anzahl der verletzten Radfahrenden von 7069 im Jahr 2017 auf 7971 im Jahr 2018. Das ist eine Steigerung von 13%. „Vision Zero - also Null Verkehrstote und Schwerverletzte - steht als Leitlinie im Mobilitätsgesetz, das Mitte 2018 verabschiedet wurde. Berlin wird dieses Ziel nie erreichen, wenn sich der Senat nicht endlich überprüfbare Ziele setzt. “Null Verkehrstote ist kein Wunschkonzert!“, sagt Michael Schulte von Changing Cities.

Fehlverhalten gegenüber Fußgängern (11 Personen) ist die häufigste Ursache von Verkehrstoten. Zu hohe Geschwindigkeit war bei 10 weiteren Verkehrstoten die Ursache. Sieben Menschen starben bei Abbiege-Unfällen. „Wenn man sich diese Zahlen anschaut, wird klar, dass Menschen im Verkehr getötet werden, weil Menschen gegen die Regeln verstoßen. Das ist furchtbar und bedauerlich, doch Regelverstöße gehören zum Menschen. Opfer-Bashing zu betreiben, vermeidet keine Unfälle. Deshalb fordern wir eine Infrastruktur, die Fehler verzeiht, so dass die Unfälle nicht mit schweren Verletzungen enden. Das setzt ein grundlegendes Umdenken der Verkehrsplaner voraus,“ so Ragnhild Sørensen von Changing Cities. Die folgenschwersten Fehler begehen dabei Auto- und Lkw-Fahrer. Umso wichtiger ist es, dass sämtliche Sensordaten von Fahrzeugen und Mobiltelefonen bei schweren Unfällen immer ausgewertet werden.



Pressekontakt:

Ragnhild Sørensen, 0171 535 77 34, ragnhild.soerensen@changing-cities.org

Weiterführende Links:

Das Berliner Mobilitätsgesetz (mit Begründungen)

Das Berliner Radverkehrsnetz, Entwurf vom Oktober 2018

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Informationen zum Volksentscheid Fahrrad

Über Changing Cities e.V.: Changing Cities e.V. ist am 23. Mai 2017 aus Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. umbenannt worden. Das bislang größte Projekt des Vereins ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin, mit dem es gelang die Berliner Verkehrspolitik zu drehen und das bundesweit erste Mobilitätsgesetz anzustoßen. Changing Cities e.V. unterstützt landes- und bundesweit Bürgerinitiativen, die sich im Bereich nachhaltige Verkehrswende und lebenswerte Städte einsetzen, mit Kampagnenwissen oder stößt solche Initiativen an. Changing Cities ist als gemeinnützig anerkannt.

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexpert*innen, Demokratie-Retter*innen und Fahrrad-Enthusiast*innen. Ein 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benannte konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad wurde Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berliner*innen unterschrieben – 7% der Wählerstimmen. Die neue Koalition sagte darauf zu, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen. Am 28. Juni 2018 verabschiedete der Berliner Senat Deutschlands erstes Mobilitätsgesetz. Jährlich werden nun mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege investiert.

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