, Berlin

Mordurteil für Kudamm-Raser: Das Auto ist eine Waffe

Das Landgericht Berlin hat die sogenannten Kudamm-Raser heute erneut wegen Mordes verurteilt. Changing Cities begrüßt diese Wertung und fordert, endlich motorisierte Gewalt mit dem Auto konsequent zu thematisieren und zu verfolgen.

Wer Rennen mit dem Auto fährt, nimmt den Tod anderer in Kauf und kann wegen Mordes verurteilt werden. Dass das Berliner Landgericht erneut zu dieser Einschätzung kommt, ist ermutigend. „Für viele Autofahrer*innen ist das Auto aber auch ohne Rasen zur Waffe geworden: Da werden Radfahrende eng geschnitten oder ausgebremst, weil sie sich nicht so verhalten haben, wie der Autofahrer sich das wünscht. Fußgänger*innen werden angehupt, wenn sie an der Ampel nicht schnell genug rüber laufen, oder es wird bis dicht an ihre Kniescheibe vorgefahren. In keinem anderen Lebensbereich wird ein so gefährliches Werkzeug wie das Auto als alltägliche Waffe genutzt“, erklärt Michael Schulte, Vorstandsmitglied von Changing Cities e.V. Ganz normale Leute finden das völlig normal. „Wir brauchen endlich eine gesellschaftliche Debatte über dieses gefährliche Verhalten und konsequente Verfolgung solcher Taten - bei Autorennen und vor allem im Alltag“, ergänzt Ragnhild Sørensen.

Für Changing Cities hat die Tat auf dem Kudamm eine besondere Bedeutung. „Kaum hatten wir uns als Initiative Volksentscheid Fahrrad gefunden, da kam die Nachricht von den Kudamm-Rasern. Spontan haben wir unsere erste Mahnwache organisiert, der leider noch viele Mahnwachen für getötete Radfahrende und Fußgänger*innen folgen sollten“ meint Dirk von Schneidemesser, Vorstandsmitglied von Changing Cities e.V.. „Zwar hat sich die Wahrnehmung in der Berliner Öffentlichkeit geändert und Tote werden nicht mehr schulterzuckend als Kollateralschaden hingenommen, doch sicherer ist es auf unseren Straßen dadurch nicht geworden.“

2018 gab es 45 Verkehrstote in Berlin, eine Steigerung von 12%.

Im Rahmen von polizeilichen Überwachungsmaßnahmen zur Feststellung illegaler Autorennen wurden allein im letzten Jahr 279 Strafermittlungsverfahren eingeleitet, meldet die Berliner Senatsverwaltung für Inneres.

 

Pressekontakt:

Ragnhild Sørensen, 0171 535 77 34, ragnhild.soerensen@changing-cities.org

Weiterführende Links:

Rheinland: Radfahrer wird von Autofahrer ausgebremst und stürzt schwer, 25.03.2019

Pressemitteilung des Berliner Senat für Inneres vom 26.03.2019

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Informationen zum Volksentscheid Fahrrad

Über Changing Cities e.V.: Changing Cities e.V. ist am 23. Mai 2017 aus Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. umbenannt worden. Das bislang größte Projekt des Vereins ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin, mit dem es gelang die Berliner Verkehrspolitik zu drehen und das bundesweit erste Mobilitätsgesetz anzustoßen. Changing Cities e.V. unterstützt landes- und bundesweit Bürgerinitiativen, die sich im Bereich nachhaltige Verkehrswende und lebenswerte Städte einsetzen, mit Kampagnenwissen oder stößt solche Initiativen an. Changing Cities ist als gemeinnützig anerkannt.

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexpert*innen, Demokratie-Retter*innen und Fahrrad-Enthusiast*innen. Ein 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benannte konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad wurde Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berliner*innen unterschrieben – 7% der Wählerstimmen. Die neue Koalition sagte darauf zu, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen. Am 28. Juni 2018 verabschiedete der Berliner Senat Deutschlands erstes Mobilitätsgesetz. Jährlich werden nun mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege investiert.

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