, Berlin

Fahrradweichen: Brutal und gefährlich

Berlin, 24. November 2018 – Mit einer spektakulären Aktion hat Changing Cities, der Trägerverein des Volksentscheids Fahrrad, gezeigt, wie gefährlich Radwege sein können. Radfahrende Kinder zwischen gigantischen Sattelschleppern zeigen überdeutlich, Fahrradweichen sind für Radfahrende nicht sicher.

 

In der Holzmarktstraße in Mitte wurde vor zwei Wochen der erste geschützte Radfahrstreifen in Berlin eingeweiht. Radfahrende und Senatorin Regine Günther freuten sich gemeinsam. Allerdings wurde schnell klar: Richtung Kreuzung wird es wieder lebensgefährlich. Hier sind rechtsabbiegende Pkw und Lkw gezwungen, den Radstreifen zu kreuzen.

Dabei wird der Abbiegekonflikt nur vorverlagert. Schlimmer noch: Autos und Radfahrende haben hier eine deutlich höhere Geschwindigkeit als direkt an der Kreuzung. Zusätzlich haben Radfahrende dann motorisierten Verkehr auf beiden Seiten neben sich, oft mit viel zu geringem Abstand. Staut sich der Autoverkehr, wird häufig der geradeaus führende Radweg zugestellt, die Radfahrenden werden dann auch noch behindert und gefährdet.

 

Die Aktivisten zeigten den Konflikt, der durch diese gefährliche Verflechtung so ungleicher Verkehrsströme entsteht, eindrücklich mit zwei Sattelzügen und Kindern dazwischen. Die Radaktivist*innen von Changing Cities verdeutlichten die Gefahren, denen vor allem Kinder durch Sattelschlepper ausgesetzt werden. „Zu jedem geschützten Radweg gehört eine geschützte Kreuzung – die Niederländer zeigen schon lange, wie das geht!“, sagt Jens Blume von Changing Cities. „Ich würde aus Sicherheitsgründen meinen Kindern verbieten, dort lang zu fahren.“

 

Changing Cities fordert mit der Aktion, keine Fahrradweichen mehr einzurichten und bereits vorhandene rasch umzugestalten.

 

Mit dem Protest gegen die Fahrradweichen zeigen die Aktivist*innen, wie wichtig die Berücksichtigung aller Zielgruppen ist. „Fahrradweichen werden weiterhin als die neue und sichere Lösung verkauft. Könnten sich Radfahrende und Fußgänger*innen in die Planung einbringen, wäre das aber so nie gebaut worden!“, so Alexandra Meyer, Sprecherin des Netzwerks Fahrradfreundliche Mitte.

 

In Berlin finden aktuell die Beratungen zum Radverkehrsplan statt. Die Ziele des Mobilitätsgesetzes sollen in konkrete Anweisungen für die Verwaltungen übersetzt werden. Standards und Maßnahmen werden festgelegt, die sich dann zukünftig auf der Straße wiederfinden. „Es geht z. B. darum, wo welche Radwege hinkommen, um die Menge der Radstellablagen, um die Frage, wie wir konkret fast 40 Verkehrstote jährlich in Berlin auf Null senken, oder eben um ein sicheres Kreuzungsdesign“, erklärt Angelo Bienek von Changing Cities.    

 

Ansprechpartnerin für die Presse im Team Changing Cities e.V./Volksentscheid Fahrrad:

Ragnhild Sørensen, ragnhild.soerensen@changing-cities.de, 0171 535 77 34

 

Weiterführende Links:

Bilder von der Aktion zur kostenlosen Nutzung für die Presseberichterstattung

Das Berliner Mobilitätsgesetz (mit Begründungen)

Beschreibung des niederländischen Kreuzungsdesigns

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad

Über Changing Cities e.V.: Changing Cities e.V. ist am 23. Mai 2017 aus dem Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. entstanden. Das bislang größte Projekt des Vereins ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin, mit dem es 2016 gelang, die Berliner Verkehrspolitik zu drehen und das bundesweit erste Mobilitätsgesetz anzustoßen. Changing Cities e.V. unterstützt landes- und bundesweit Bürgerinitiativen, die sich im Bereich nachhaltige Verkehrswende und lebenswerte Städte einsetzen, mit Kampagnenwissen oder stößt solche Initiativen an. Changing Cities ist als gemeinnützig anerkannt.

 

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexpert*innen, Demokratie-Retter*innen und Fahrrad-Enthusiast*innen. Viele Verbände, Unternehmen und Wissenschaftler*innen unterstützten das Anliegen, das Radverkehrsgesetz (RadG) schnell in Kraft zu setzen. Ziel ist, dass wir Berlinerinnen und Berliner sicher und entspannt Rad fahren können; dafür hat die Initiative das Berliner RadG erarbeitet. Nur mit dem RadG kann der Senat dauerhaft verpflichtet werden, schnell und aktiv eine gute Radinfrastruktur zu schaffen. Der 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benennt konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad ist Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinerinnen und Berlinern unterschrieben – sieben Prozent der Wählerstimmen. Die neue Koalition hatte zugesagt, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen, ein Mobilitätsgesetz auf Basis des RadGs bis Frühjahr 2017 in Kraft zu setzen und ab 2018 jährlich mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege zu investieren. Über 100 aktive Mitstreiter*innen organisieren sich selbst durch Online-Projekttools und durch schnelle, handlungsorientierte Entscheidungsfindung.

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