, Berlin

Fahrradnetzwerk begrüßt Radweg-Entscheidung der BVV Lichtenberg – jetzt kommt es auf das „Wie“ an.

In der Siegfriedstraße soll nun ein geschützter Radweg gebaut werden – so wie es der Verkehrsausschuss empfohlen hatte. Das Netzwerk Fahrradfreundliches Lichtenberg bewertet die Entscheidung grundsätzlich positiv, hält aber einen Zweirichtungsradweg für unsicher und viel zu teuer.

Nun hat sich die BVV in Lichtenberg klar positioniert, geschützte Radwege in der Siegfriedstraße anzulegen  – wie bereits der Berliner Senat. Für Irritationen sorgen jedoch die formulierten Prüfaufträge. Hier wird das Bezirksamt unter anderem aufgefordert, die Möglichkeit eines etwa 500 Meter langen Zweirichtungsradweges in der Siegfriedstraße zu prüfen. Hintergrund des Prüfauftrages: Parkplätze auf der einen Seite der Straße sollen erhalten bleiben.

Der Initiator des Fahrradnetzwerks Mattes Groeger zeigt sich verwundert: „Ein Zweirichtungsradweg wäre nur realisierbar, wenn an einer Seite Bäume gefällt und der Fußweg deutlich verengt wird. Die Kosten dafür wären enorm.“ Bei der Planung eines beidseitigen Radweges würden etwa 10 Parkplätze wegfallen; alle anderen Parkplätze wären durch einfache Umbauten in den Neben- und Seitenstraßen kompensiert.

Zudem weist das Netzwerk auf die Verkehrssicherheit hin: „Es ist nicht nachvollziehbar, wie an dieser Stelle ein Zweirichtungsradweg funktionieren soll. Das würde bedeuten, dass Radfahrer zweimal kurz hintereinander die Siegfriedstraße überqueren müssten. Das ursprüngliche Ziel, mit dem Radweg in der Siegfriedstraße für die Sicherheit von Radfahrenden zu sorgen, würde damit verfehlt,“ so Hanno Böck, Aktivist des Netzwerks.

Das Fahrradfreundliche Netzwerk befürchtet, dass die jetzigen Prüfaufträge in erster Linie dazu dienen, eine Entscheidung weiter zu verzögern. „Wir erwarten von dem verantwortlichen Stadtrat Nünthel, jetzt schnell den ersten geschützten Radweg in Lichtenberg auf den Weg zu bringen. Es wird bereits eineinhalb Jahre über 500 Meter Radweg in der Siegfriedstraße diskutiert, ohne dass auch nur ein einziger Meter sichere Radinfrastruktur geschaffen wurde“, so Inge Lechner, Gründungsmitglied des Fahrradnetzwerks.

Das Mobilitätsgesetz, das im Sommer 2018 im Berliner Senat verabschiedet wurde, sieht Radwege an allen Hauptstraßen Berlins vor, so auch in der Siegfriedstraße. Hintergrund ist das erklärte Ziel, Berlin bis 2050 klimaneutral zu machen. Das bedeutet, dass klimafreundlicher Rad- und Fußverkehr sowie der ÖPNV – Bus, Tram, S- und U-Bahn – massiv ausgebaut werden müssen. Dies geschieht auch, damit in einer wachsenden Stadt Mobilität für alle realisierbar ist. Bereits heute steht fest, dass das Auto in der vielfältigen Mobilität der Zukunft eine weniger wichtige Rolle spielen wird.

 

Ansprechpartner*innen für die Presse bei Changing Cities e.V.:

Ragnhild Sørensen, ragnhild.soerensen@changing-cities.org, 0171 535 77 34

Weiterführende Links:

Antrag zur geschützten Radspur Siegfriedstraße vom 21.02.19

Pressemitteilung zur Infoveranstaltung „Siegfriedstraße“ vom 04.12.18

Das Berliner Mobilitätsgesetz (mit Begründungen)

Das Berliner Radverkehrsnetz, Entwurf vom Oktober 2018

Bilder zur kostenlosen Nutzung für die Presseberichterstattung

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad

Über Changing Cities e.V.: Changing Cities e.V. ist am 23. Mai 2017 aus Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. umbenannt worden. Das bislang größte Projekt des Vereins ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin, mit dem es gelang, die Berliner Verkehrspolitik zu drehen und das bundesweit erste Mobilitätsgesetz anzustoßen. Changing Cities e.V. unterstützt landes- und bundesweit Bürgerinitiativen, die sich im Bereich nachhaltige Verkehrswende und lebenswerte Städte einsetzen mit Kampagnenwissen oder stößt solche Initiativen an. Changing Cities ist als gemeinnützig anerkannt.

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexpert*innen, Demokratie-Retter*innen und Fahrrad-Enthusiast*innen. Ein 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benannte konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad wurde Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben – 7% der Wählerstimmen. Die neue Koalition sagte darauf zu, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen. Am 28. Juni 2018 verabschiedete der Berliner Senat Deutschlands erste Mobilitätsgesetz. Jährlich werden nun mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege investiert.

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