, Berlin

13,6 Prozent mehr getötete Radfahrende im Jahr 2018

Bundesweit wurden 2018 fünfzig Menschen mehr als im Vorjahr auf dem Fahrrad getötet, so die aktuelle Unfallstatistik. Insgesamt starben 418 Radfahrende im Verkehr, mehr als ein Mensch pro Tag. Changing Cities e.V. fordert sofortige Maßnahmen auf Bundesebene, um dem Sterben auf der Straße ein Ende zu setzen.

Das Bundesverkehrsministerium hat es im vergangenen Jahr wieder nicht geschafft, die Zahl der Verkehrstoten zu senken – im Gegenteil: 2018 starben 50 Radfahrende mehr als im Vorjahr. Dabei bekannte sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vor acht Jahren zum nationalen Verkehrssicherheitsprogramm (VSP) – mit dem Ziel, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Das Ministerium ist damit gescheitert. Mehr als 1.000 Menschen könnten noch leben, wenn das Ministerium seine selbst gesteckte Aufgabe – die Verkehrssicherheit – ernst nehmen würden. Stattdessen wurden 2018 insgesamt 3.265 Menschen auf Deutschlands Straßen getötet.

„Wenn morgen auf einen Schlag 25 Menschen bei einem Bahn-Unglück sterben, dann wird jeder einzelne Stein umgedreht und Ursachenforschung betrieben, damit so etwas nie wieder vorkommt. Wenn aber in einem Jahr über 3.000 Menschen im Straßenverkehr sterben, ist das dem Minister nicht mal eine Pressemitteilung wert. Es ist unerträglich!“, so Inge Lechner von Changing Cities.

Unter den Zu Fuß Gehenden ist die Zahl der Getöteten erfreulicherweise leicht zurückgegangen. Bei Radfahrenden dagegen sieht es anders aus: Außerorts gibt es eine dramatische Steigerung von 40,6%. „Wir fordern sichere, mindestens 2,5 Meter breite Radwege an allen überörtlichen Straßenverbindungen. Ungeschützte Verkehrsteilnehmer brauchen überall Schutz – in der Stadt und außerhalb!”, sagt Lechner. „Außerhalb der Ortschaften ist der Verkehrsminister zuständig. Es gehört in seinen Verantwortungsbereich, den Weg der Kommunen hin zu einer nachhaltigeren, sicheren Mobilität mitzugehen. Der Verkehrsminister ist Minister für alle Mobilitätsarten!”

Aber auch in den Städten muss noch viel getan werden: Sowohl in Bremen (+4,8%) als auch in Berlin (+4,4%) ist die Zahl der Unfälle gestiegen. Allein in der Hauptstadt sind im Vergleich zum Vorjahr 25 Prozent mehr Menschen im Verkehr getötet worden. Dabei hat Berlin seit Mitte 2018 ein Mobilitätsgesetz, das der Vision Zero verpflichtet ist – keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr. „Ab sofort fordern wir spürbare Maßnahmen in Bezug auf die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer*innen – Erfolg versprechend wäre es zum Beispiel, Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in der Stadt und ein Innenstadtverbot für Lkw ohne Abbiegeassistenten sofort einzuführen“, argumentiert Ragnhild Sørensen, Pressesprecherin von Changing Cities.

 

Ansprechpartner*innen für die Presse bei Changing Cities e.V.:

Ragnhild Sørensen, ragnhild.soerensen@changing-cities.org, 0171 535 77 34

Weiterführende Links:

Pressemitteilung zur Unfallstatistik 2018 vom 27.02.19

Detaillierte Informationen zur Unfallstatistik vom Statistischen Bundesamt vom 27.02.2019

Das Berliner Mobilitätsgesetz (mit Begründungen)

Das Berliner Radverkehrsnetz, Entwurf vom Oktober 2018

Bilder zur kostenlosen Nutzung für die Presseberichterstattung

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad

Über Changing Cities e.V.: Changing Cities e.V. ist am 23. Mai 2017 aus Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. umbenannt worden. Das bislang größte Projekt des Vereins ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin, mit dem es gelang die Berliner Verkehrspolitik zu drehen und das bundesweit erste Mobilitätsgesetz anzustoßen. Changing Cities e.V. unterstützt landes- und bundesweit Bürgerinitiativen, die sich im Bereich nachhaltige Verkehrswende und lebenswerte Städte einsetzen, mit Kampagnenwissen oder stößt solche Initiativen an. Changing Cities ist als gemeinnützig anerkannt.

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexpert*innen, Demokratie-Retter*innen und Fahrrad-Enthusiast*innen. Ein 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benannte konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad wurde Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berliner*innen unterschrieben – 7% der Wählerstimmen. Die neue Koalition sagte darauf zu, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen. Am 28. Juni 2018 verabschiedete der Berliner Senat Deutschlands erstes Mobilitätsgesetz. Jährlich werden nun mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege investiert.

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