Faire Straßen - Vision 6

VISION #6 – ÖPNV: Fahrradmitnahme und Busverkehr

von Michael G.

Die Corona-Krise zeigt, was alles möglich ist, wenn sich Politiker*innen einig sind! Es werden Milliarden Euros zur Verfügung gestellt, die vorher bei der Diskussion um eine Verkehrswende oder einer Mindestrente nicht vorhanden waren. Es gibt viele weitere Beispiele, für die kein Geld vorhanden war. Auf einmal geht es! Auch wenn es seine Berechtigung hat, dass man den Menschen helfen möchte, so sollte nach der Krise vor oder während der Krise sein! Changing Cities setzt tolle Impulse und ist eine starke Community. Dafür möchte ich erst einmal Danke sagen! 

Als Bewohner des Ländlichen Raumes könnte ich mir ebenso ein Changing ??? vorstellen! Aus diesem Anlass suche ich Verbündete, die sich im ländlichen Raum – egal wo – für einen Wandel einsetzen bzw. einsetzen möchten. Meine Forderung ist z. B. eine verbindliche Fahrradmitnahme im ÖPNV zur Erweiterung der Aktionsradien von Kindern, Jugendlichen und Familien, die das Fahrrad anstatt das Auto bzw. das Elterntaxi nutzen bzw. nutzen möchten! Auf dem Land sind Bewohner*innen, die nicht an die Bushauptlinien angeschlossen sind, zu 100 % auf das Auto angewiesen! Das bedeutet rechnerisch für einen Querschnitt an 9 Familien mit insgesamt 16 Kindern eine km-Jahresleistung je nach Entfernung zwischen 40.000 bis zu 136.000 km pro Jahr – und das nur für durchschnittliche 2-3 Freizeitaktivitäten (Training, Musikschule, etc.) Wenn man das hochrechnet, wird erst einmal deutlich, was da an CO2 jedes Jahr ausgestoßen wird, nur weil es im ländlichen Raum kaum oder gar keinen „bedarfsgerechten“ ÖPNV gibt! Abhilfe schaffen in einigen Bundesländern, wie Baden-Württemberg, die RegiBusLinien. Doch die Menschen in abgelegenen Ortsteilen kommen nicht in deren Genuss. Einzig und alleine, wenn sie die Strecke mit dem Fahrrad zur Bushauptlinie überbrücken können, entsteht eine akzeptable Vorstellung, wie es anders gehen kann. Es ist jedoch so, dass die Menschen des ländlichen Raumes ihr Fahrrad nicht einfach irgendwo abstellen können oder wollen, um dann am Zielort ein anderes Fahrrad zu besteigen oder den ÖPNV nutzen können. Denn oft sind ihre Zielorte wiederum Gemeinden, für die sich eine Fahrrad-Ausleihstation nicht rechnet und auch kein ÖPNV stattfindet, der alle Ziele gleich schnell bedient. In diesem Falle wäre es einfacher, mit dem Rad in den ÖPNV einzusteigen und an der Zielgemeinde auszusteigen, um dann seinen eigentlichen Restweg zum Ziel wieder mit dem eigenen Fahrrad fortzusetzen. Busunternehmen tun sich da aber schwer! Viele Busunternehmen sind im 

Neben-/Hauptberuf Reiseunternehmen und finanzieren sich auf den konzessionierten ÖPNV-Strecken quasi selbst. Wenn man den ÖPNV im ländlichen Raum stärken möchte, müssen sich die Politiker*innen überlegen, ob sie den ÖPNV weiterhin selbst finanzieren, die Busunternehmen konzessionieren oder – wie im SPNV – das Land/der Kreis zum Besteller des ÖPNV wird und ihn finanzieren sollte. Bedenkt man die Klimaschutzziele bis 2030/2050, wird sich der Mobilitätswandel zu einem Großteil auf ÖPNV, SPNV und Fahrrad konzentrieren müssen. Leider haben sich die Busunternehmer*innen, die Bushersteller*innen und die Verkehrsplaner*innen noch nicht die Mühe gemacht, sich über einen veränderten Bedarf Gedanken zu machen. Auch der Demographische Wandel ist im „neuen Bedarf“ noch nicht angekommen. Ich habe nun schon Bushersteller*innen angeschrieben, um festzustellen, ob es hier eine Bereitschaft zum Austausch gibt. Doch leider ohne Erfolg! Vielleicht gebt Ihr mir einen Tipp, wie man da vorgehen kann, um das Interesse zu wecken. Erst vor knapp einer Woche gab es in unserem Radio eine Meldung, dass ein bekannter Bushersteller ca. 6.000 Arbeitskräfte abbauen will. Ich empfinde das gerade im Hinblick auf die Klimaschutzziele 2030/2050 als unnötig, weil sich der Bedarf an modernen Niederflurbussen – auch mit Platz für Fahrräder, Anhänger, Rollstühle und Rollatoren – mit Sicherheit noch erhöhen wird. Kennt Ihr Länder und Beispiele für die Fahrradmitnahme im ÖPNV, die über das „normale Maß“ von 2 Fahrrädern hinausgehen, sofern kein mobilitätseinschränkendes Angebot vorhanden ist?