Lkw-Fahrer tötet Radfahrerin am Alexanderplatz // Mahnwache für die erste getötete Radfahrende 2019

WANN: Donnerstag, 21. Februar, 17:30 Uhr, WO: Otto-Braun-Straße Ecke Karl-Marx-Allee in Berlin-Mitte

Berlin, 21. Februar 2019 – Changing Cities e.V., der Träger des Volksentscheid Fahrrad, ruft auf zur Mahnwache in Berlin-Mitte in Gedenken an die erste in diesem Jahr getötete Radfahrende. Das Netzwerk Fahrradfreundliche Mitte und die Organisatoren sprechen den Angehörigen der Getöteten ihr tiefstes Mitgefühl aus.

Eine Radfahrerin wurde am Mittwochvormittag von einem rechts abbiegenden Lkw am Alexanderplatz getötet. „Das Jahr ist erst 51 Tage alt, und es gibt bereits die erste getötete Radfahrerin. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, Freundinnen und Freunden der Frau“, sagt Kerstin Leutloff von Changing Cities.

Seit acht Monaten gilt das Mobilitätsgesetz in Berlin, das keine Verkehrstote, also Vision Zero, als Leitlinie für alle Maßnahmen und Planungen vorsieht (§21). Die Ampelschaltung an der Kreuzung gibt für alle Verkehrsteilnehmenden eine gleichzeitige Grünphase vor, so dass Radfahrende und abbiegende Kfz regelmäßig in Konflikt kommen. Es gibt viele abbiegende Kfz, aber ebenso viele geradeaus fahrende Radfahrende, so dass das Konfliktpotential groß ist.

Bereits 2015 hatten Radaktivisten (später Changing Cities) die Stelle beobachtet und innerhalb von nur drei Stunden 100 Vorfälle festgestellt. Es folgte ein Schriftwechsel mit dem Polizeipräsidenten, dem Regierenden Bürgermeister und der Senatsverwaltung für Inneres. Bis heute ist nichts passiert. „Die Berliner Verwaltung könnte in die Niederlande schauen und von dort lernen, wie solche Kreuzungen sicher umgebaut werden. Stattdessen bleibt sie tatenlos und kann die körperliche Unversehrtheit der Bürgerinnen und Bürger nicht garantieren“, beklagt sich Steffen Lohrey von Changing Cities.

„Muss erst eine Radfahrende sterben, bis eine lebensgefährliche Kreuzung verbessert wird? Mit getrennter Signalisierung für Radfahrende und Abbiegende – eine so simple Maßnahme – hätte niemand sterben müssen!“, sagt Jens Steckel von Changing Cities.

Der ADFC Berlin wird an der Unfallstelle in Berlin-Mitte ein weißes Geisterrad aufstellen.

Die Mahnwache und die anschließende Fahrradfahrt mit Zwischenstopps vor dem Gebäude der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und beim BMVI (Ende am Roten Rathaus) sind als Demonstrationen bei der Versammlungsbehörde angemeldet. Politiker*innen aus Senat, Abgeordnetenhaus und Bezirk wurden zur Teilnahme eingeladen.

Ansprechpartner für die Presse im Team Changing Cities e.V./Volksentscheid Fahrrad:
Ragnhild Sørensen, ragnhild.soerensen@changing-cities.org, 0171 53577 34

Weiterführende Links:
Pressemitteilung der Polizei vom 20.02.2019
Das Berliner Mobilitätsgesetz (mit Begründungen)
Das Berliner Radverkehrsnetz, Entwurf vom Oktober 2018
Bilder zur kostenlosen Nutzung für die Presseberichterstattung
Informationen zu Changing Cities e.V.
Informationen zum Volksentscheid Fahrrad

Über Changing Cities e.V.: Changing Cities e.V. ist am 23. Mai 2017 aus dem Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. hervorgegangen. Das bislang größte Projekt des Vereins ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin, mit dem es gelang, die Berliner Verkehrspolitik zu drehen und das bundesweit erste Mobilitätsgesetz anzustoßen. Changing Cities e.V. unterstützt landes- und bundesweit Bürgerinitiativen, die sich im Bereich nachhaltige Verkehrswende und lebenswerte Städte einsetzen, mit Kampagnenwissen oder stößt solche Initiativen an. Changing Cities ist als gemeinnützig anerkannt.

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexpert*innen, Demokratie-Retter*innen und Fahrrad-Enthusiast*innen. Ein 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benannte konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad wurde Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben – 7% der Wählerstimmen. Die neue Koalition machte daraufhin die Zusage, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen. Am 28. Juni 2018 verabschiedete der Berliner Senat Deutschlands erstes Mobilitätsgesetz. Jährlich werden nun mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege investiert.