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Volksentscheid Fahrrad ruft zur Mahnwache für den siebten getöteten Radfahrer auf

Volksentscheid Fahrrad ruft zur Mahnwache für den siebten getöteten Radfahrer auf

Berlin, 8. November 2017. Am Abend des 6. November wurde der siebte Radfahrer in diesem Jahr im Straßenverkehr getötet. Der Volksentscheid Fahrrad und sein Trägerverein Changing Cities e.V. sprechen den Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl aus. Die Initiativen rufen für morgen, 9. November um 17:30 Uhr, zur Mahnwache für den Getöteten an der Unfallstelle Residenzstraße/Ecke Emmentaler Straße in Reinickendorf auf. Der ADFC wird ein Geisterrad an der Unfallstelle aufstellen.

Nach Polizeiangaben wurde der Radfahrer beim Linksabbiegen von einem geradeaus fahrenden Transporter überfahren. Die Markierungen an der Unfallstelle deuten darauf hin, dass der Radfahrer durch den Aufprall ca. 20 Meter weit geschleudert wurde. Er verstarb noch an der Unfallstelle.

„Dass ein ungeschützter Verkehrsteilnehmer bei einem Unfall so weit geschleudert wird, zeigt welche fatalen Kräfte bei Tempo 50 oder mehr wirken und dass Geschwindigkeit ein höchst relevanter Faktor für Verkehrssicherheit und nicht nur für Klimaschutz ist”, so Evan Vosberg, Verkehrsexperte des Volksentscheid Fahrrad und stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC.

Mit der Mahnwache erinnert der Volksentscheid Fahrrad daran, dass bei Unfällen Getötete oder Schwerverletzte keine bloßen Zahlen in der Statistik sind, sondern Menschen mit Familien, Freund*innen, Kolleg*innen und Bekannten, deren Leben sich durch den Unfall für immer verändert. Der Protest richtet sich darüber hinaus gegen hasserfüllte und hämische Kommentare, die auch in diesem Fall in den sozialen Medien über das Geschehene geäußert werden.

„Es ist menschenverachtend, was manche in den vermeintlich anonymen sozialen Medien von sich geben. Ein Mensch stirbt auf der Straße und dann gibt es Leute, die dem Getöteten auch noch die Würde nehmen und die Situation für die Angehörigen noch traumatischer machen“, empört sich Marlene Sattler von Changing Cities e.V., die die Mahnwache organisiert hat.

Changing Cities e.V. und der Volksentscheid Fahrrad fordern zudem den Berliner Senat mit der Mahnwache  dazu auf, das Mobilitätsgesetz schnellstmöglich zu verabschieden. Dieses ermöglicht eine sichere Infrastruktur, die nicht nur Radfahrenden, sondern allen Verkehrsteilnehmenden zu Gute kommt. Nicht vergessen werden darf dabei, dass im Bezirk Reinickendorf die beiden Stellen für die Planung des Radverkehrs weiterhin unbesetzt sind.

„Der Senat stellt Gelder  für Planer*innenstellen bereit und auch nach fast einem Jahr sind diese noch nicht besetzt. Das verwundert nicht, denn Reinickendorf stellt sich nach unserem Vernehmen auch beim Mobilitätsgesetz quer. Der Bürgermeister und der Verkehrsstadtrat stehen hier in der Verantwortung, ihre Blockadehaltung zu beenden und endlich für Verkehrssicherheit zu sorgen“, so Denis Petri, politischer Referent bei Changing Cities e.V.

Die Mahnwache ist als Demonstration angemeldet. Es wurden Reinickendorfer Mitglieder des Abgeordnetenhauses, die Mitglieder des Verkehrsausschusses der BVV sowie der Bezirksbürgermeister und der Verkehrsstadtrat eingeladen.

Bereits am heutigen 8. November ruft der ADFC Berlin zu einer Protestkundgebung gegen Radunfälle mit Lkw auf. Diese findet um 17:00 Uhr an der Ecke Westfälische Straße/Konstanzer Straße in Wilmersdorf statt.

 

Weiterführende Links:

Facebook-Post zur Mahnwache

Radgesetz der Initiative, Referentenentwurf und Stellungnahme zum Mobilitätsgesetz von Changing Cities e.V.

Diese Pressemitteilung im Online-Bereich

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad

Informationen zu Changing Cities e.V.

Bilder zur kostenlosen Nutzung für die Presseberichterstattung

Facebookveranstaltung des ADFC zur heutigen Demonstration in Wilmersdorf

 

Ansprechpartner für die Presse im Team Changing Cities e.V./Volksentscheid Fahrrad

Denis Petri, 0176 577 225 32 , denis.petri@changing-cities.org



Über Changing Cities e.V.: Changing Cities e.V. ist am 23. Mai 2017 aus Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. umbenannt worden. Das bislang größte Projekt des Vereins ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin, mit dem es gelang, die Berliner Verkehrspolitik zu drehen und das bundesweit erste Mobilitätsgesetz anzustoßen. Changing Cities e.V. unterstützt landes- und bundesweit Bürgerinitiativen, die sich im Bereich nachhaltige Verkehrswende und lebenswerte Städte mit Kampagnenwissen einsetzen oder stößt solche Initiativen an. Changing Cities ist als gemeinnützig anerkannt.


Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexpert*innen, Demokratie-Retter*innen und Fahrrad-Enthusiast*innen. Viele Verbände, Unternehmen und Wissenschaftler*innen unterstützten das Anliegen, das Radverkehrsgesetz (RadG) schnell in Kraft zu setzen. Ziel ist, dass wir Berlinerinnen und Berliner sicher und entspannt radfahren können; dafür hat die Initiative das Berliner Radverkehrsgesetz (RadG) erarbeitet. Nur mit dem RadG kann der Senat dauerhaft verpflichtet werden, schnell und aktiv eine gute Radinfrastruktur zu schaffen. Der 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benennt konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad ist Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben – 7% der Wählerstimmen. Die neue Koalition hat zugesagt, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen, ein Mobilitätsgesetz auf Basis des RadGesetzes bis Frühjahr 2017 in Kraft zu setzen und ab 2018 jährlich mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege zu investieren. Über 100 aktive Mitstreiter*innen organisieren sich selbst durch Online-Projekttools und durch schnelle, handlungsorientierte Entscheidungsfindung.

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