, Berlin

Verantwortung zeigen und dem Sterben ein Ende setzen! – Mahnwache des Volksentscheid Fahrrad für erste getötete Radfahrerin 2018

Berlin, 23. Januar 2018. Am heutigen Morgen wurde in Schöneberg an der Hauptstraße / Ecke Kolonnenstraße eine Radfahrerin getötet. Die 52-jährige Frau wurde von einem rechts abbiegenden Lastwagen überrollt und starb noch an der Unfallstelle. Der Volksentscheid Fahrrad, sein Trägerverein Changing Cities und das Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg sprechen den Angehörigen der Getöteten ihr Mitgefühl aus und rufen für morgen, 24. Januar, um 17:30 Uhr zur Mahnwache an der Unfallstelle auf. Der ADFC Berlin wird ein weißes Geisterrad aufstellen.

Laut Presseberichten wollte die Radfahrerin aus der Kolonnenstraße links in die Hauptstraße abbiegen. Der Lastwagen bog aus der Kolonnenstraße kommend, nach rechts ebenfalls in die Hauptstraße ein. An der Kreuzung wird der Radverkehr rechts vom Autoverkehr auf einem sogenannten Schutzstreifen geführt. Es handelt sich um die erste getötete Radfahrerin in diesem Jahr; 2017 wurden in Berlin vier Radfahrende von rechts abbiegenden Lastwagen getötet und in diesem Jahr bereits mindestens eine Radfahrerin beim gleichen Unfallbild lebensgefährlich verletzt. Schon am 19. Juli 2017 hatte die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, dass das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg beim Senat dringend auf eine Änderung dieser gefährlichen Verkehrsführung an der Unfallstelle pochen soll.

“Wir sind erneut traurig und fassungslos wegen des Unfalls. Den Angehörigen der Getöteten sprechen wir unser tiefes Mitgefühl aus. Die unübersichtliche Führung des Radverkehrs auf einem viel zu schmalen Schutzstreifen, der auch von abbiegenden Autos befahren wird, hat hier Mitschuld am Geschehen. Schon im Sommer wurde beschlossen, dass die Kreuzung sicher gemacht werden soll – doch geschehen ist nichts. Das macht uns wütend und wir fordern, dass dort unverzüglich bessere Schutzmaßnahmen ergriffen werden!” so Beate Mücke vom Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg.

Mit der Mahnwache protestieren die aufrufenden Organisationen auch gegen die fortgesetzte Verzögerung bundes- und landespolitischer Maßnahmen, die den Radverkehr sicherer machen. Erst kürzlich wurde durch die Veröffentlichung eines Papiers aus der Senatskanzlei eine Debatte um die Verbesserung der Verkehrssicherheit angestoßen. Wirksame Maßnahmen, die in dem Papier keine Erwähnung finden, setzen an der Vermeidung von Unfällen durch fehlertolerante Infrastruktur und bessere Übersichtlichkeit an.

Gerade bei den meist tödlichen Unfällen, verursacht von abbiegenden Lastwagen, wäre die verpflichtende Einführung von Abbiegeassistenten der richtige Schritt. Ebenso muss über die Einführung einer Mithaftung der Speditionen nachgedacht werden, damit diese zu Investitionen bewegt werden, die die Verkehrssicherheit erhöhen.

“Es ist nicht der einzelne LKW-Fahrer, der hier die Schuld trägt, sondern das System aus fehlender Schulung, Hektik und schlechter Ausstattung der Fahrzeuge, das die Gesundheit oder das Leben von Menschen leichtfertig zerstört. Speditionen müssen in die Verantwortung genommen werden”, so Kerstin Stark vom Volksentscheid Fahrrad.

“Es ist ein Armutszeugnis der Verantwortlichen in der Politik, dass sie offenbar weiter gewillt sind, das stille Sterben auf den Straßen auch künftig zu akzeptieren. In Berlin wird die Vision Zero, die zum Ziel hat, schwere Personenschäden auf null zu bringen, zwar im Mobilitätsgesetz festgeschrieben, aber nicht mit konkreten Reduktionszielen unterlegt. Im Bund kuschen die künftigen Koalitionäre weiter vor der Autolobby. Das alles spricht den Sonntagsreden Hohn, dass die Verkehrswende vorangebracht würde und man richtigerweise mehr Radverkehr wolle”, empört sich Denis Petri, politischer Referent bei Changing Cities.

Die Mahnwache findet am 24. Januar um 17:30 Uhr in der Schöneberger Hauptstraße / Ecke Kolonnenstraße statt und ist als Demonstration angemeldet. Politiker*innen aus Bezirk, Land und Bund wurden ebenfalls eingeladen.

 

Weiterführende Links:

Facebook-Aufruf des Volksentscheid-Fahrrad zur Mahnwache

Pressebericht des Tagesspiegels vom 23. Januar zum Unfallhergang

Pressemeldung der Polizei Berlin zum Unfall vom 23. Januar 2018

Unfallstatistik der Polizei Berlin 2016 (2017 liegt noch nicht vor), Sonderauswertung Unfälle mit Radfahrenden

Pressemeldung der Polizei Berlin zum Abbiegeunfall mit lebensgefährlich verletzter Radfahrerin vom 19. Januar

Beschluss der BVV Tempelhof-Schöneberg mit der Aufforderung, die Kreuzung sicherer zu machen, vom 19. Juli 2017

Pressemitteilung von Changing Cities und Volksentscheid Fahrrad zur Verkehrssicherheitsdebatte vom 5. Januar

Radgesetz der Initiative, Referentenentwurf und Stellungnahme zum Mobilitätsgesetz von Changing Cities e.V.

Diese Pressemitteilung im Online-Bereich

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad

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Informationen zum Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg

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Ansprechpartner für die Presse im Team Changing Cities e.V./Volksentscheid Fahrrad

Denis Petri, 0176 577 225 32, denis.petri@changing-cities.org

Peter Feldkamp, 0176 234 570 14, peter.feldkamp@changing-cities.org



Über Changing Cities e.V.: Changing Cities e.V. ist am 23. Mai 2017 aus Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. umbenannt worden. Das bislang größte Projekt des Vereins ist der Volksentscheid Fahrrad in Berlin, mit dem es gelang, die Berliner Verkehrspolitik zu drehen und das bundesweit erste Mobilitätsgesetz anzustoßen. Changing Cities e.V. unterstützt landes- und bundesweit Bürgerinitiativen, die sich im Bereich nachhaltige Verkehrswende und lebenswerte Städte einsetzen mit Kampagnenwissen oder stößt solche Initiativen an. Changing Cities ist als gemeinnützig anerkannt.

 

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexpert*innen, Demokratie-Retter*innen und Fahrrad-Enthusiast*innen. Viele Verbände, Unternehmen und Wissenschaftler*innen unterstützten das Anliegen, das Radverkehrsgesetz (RadG) schnell in Kraft zu setzen. Ziel ist, dass wir Berlinerinnen und Berliner sicher und entspannt radfahren können; dafür hat die Initiative das Berliner Radverkehrsgesetz erarbeitet. Nur mit dem RadG kann der Senat dauerhaft verpflichtet werden, schnell und aktiv eine gute Radinfrastruktur zu schaffen. Der 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benennt konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad ist Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben – 7% der Wählerstimmen. Die neue Koalition hat zugesagt, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen, ein Mobilitätsgesetz auf Basis des RadGesetzes bis Frühjahr 2017 in Kraft zu setzen und ab 2018 jährlich mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege zu investieren. Über 100 aktive Mitstreiter*innen organisieren sich selbst durch Online-Projekttools und durch schnelle, handlungsorientierte Entscheidungsfindung.

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